Geschichte der Ärztekammer Hamburg

Am 25. April 1895 kamen 15 ehrwürdige Herren zur konstituierenden Sitzung einer Ärztekammer in Hamburg zusammen. Mit diesem Ereignis ging ein jahrzehntealter Konflikt zwischen Staat und Ärzteschaft zu Ende.

Der ärztliche Verein, der 1816 gegründet wurde, versuchte bereits seit Längerem, den gestrengen Senat davon zu überzeugen, dass die Rahmenbedingungen ärztlicher Berufstätigkeit unabhängig werden müssten. Besonders die Übertragung der Disziplinargewalt auf die Berufsgerichte aber wollte der Senat nicht ohne Weiteres hinnehmen. Doch wie sollte die immer größer werdende Zahl an Ärzten unter einen Hut gebracht werden?

Ein Umdenken brachte erst das katastrophale Versagen öffentlicher Gesundheitsmaßnahmen während der Cholera-Epidemie von 1892. Im Juli 1893 verabschiedete die Bürgerschaft die Ärzteordnung, der Senat tat sich zwar schwer und ließ sich Zeit, verkündete diese dann aber im Dezember 1894. Damit war der Grundstein gelegt und der Gründung einer Ärztekammer stand nichts mehr im Wege.

Allerdings wenig rühmlich ist die Geschichte der Ärztekammer, wenn wir auf die Jahre 1933 bis 1945 zurückblicken. Die Kammer mit ihren Prinzipien der "Selbstverwaltung", der demokratischen Legitimation ihrer Organe durch Wahl, ihrem Satzungsrecht und ihrer Disziplinargewalt wurde abgeschafft und der Zentralgewalt einer "Reichsärztekammer" unter den Reichsärzteführern Gerhard Wagner und Leonardo Conti unterworfen.

1930 waren rund 16 Prozent der deutschen Ärzte jüdischer Abstammung. Sie wurden verfolgt, vertrieben und viele ermordet. Widerstand und Hilfe gab es seitens der damaligen Kammer und der Ärzteschaft nicht, viele Ärzte waren froh über das Freiwerden von circa 8000 Arbeitsplätzen und den eigenen Vorteil. Anna von Villiez hat in ihrem Buch „Mit aller Kraft verdrängt – Entrechtung und Verfolgung „nichtarischer“ Ärzte in Hamburg von 1933 bis 1945“ das Schicksal jüdischer Ärzte während der Zeit des Nationalsozialismus in Hamburg mit großer Sorgfalt und Ausführlichkeit dargestellt. In einer Gedenkveranstaltung im Jahre 2006 wurde es präsentiert und eine Gedenktafel erinnert bis heute in der Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg an die vielen jüdischen Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg, denen Unrecht geschah und von denen nach heutigem Kenntnisstand mehr als 400 entrechtet und 64 ermordet wurden.

Nach Kriegsende traten schon am 15. und 16. Mai unbelastete Mitglieder der alten KV und Kammer von vor 1933 zusammen und nahmen ihre ständische Arbeit wieder auf. Inzwischen hat sich die Ärztekammer gehörig gewandelt. Aus den einstmals 15 ehrenwerten Herren sind heute 57 Delegierte geworden, Frauen sind inzwischen auch so einige dabei. Sie gebieten über einen Vorstand von sieben Ärztinnen und Ärzten, der die heute rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leitet.  Deren Hauptaufgaben sind gemeinsam mit den zahlreich aktiven Ärzten im Ehrenamt die Weiter- und Fortbildung, die Überwachung der ärztlichen Berufspflichten sowie die Interessensvertretung der Mitglieder.  Sie alle schreiben die Geschichte der Kammer weiter.