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Hamburger Ärzteblatt 12 2015

311 2 | 2 0 1 5 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T Patienten mit Hypnic headache mittels Voxel- basierter Morphometrie eine Abnahme grauer Substanz im hinteren Abschnitt des Hypotha- lamus gefunden (7). Unklar ist aber, ob dieser Befund Ursache oder Folge des Kopfschmerz- syndroms ist. Da hauptsächlich ältere Men- schen betroffen sind, könnte ein neurodege- nerativer Prozess vorliegen (6). Die besondere Wirkung von Koffein bei be- troffenen Patienten könnte zudem für Verän- derungen an zerebralen Adenosin-Rezeptoren sprechen, die ja für Schmerzstimulation und Schmerzhemmung von Bedeutung sind. Als Antagonist an zerebralen A2A-Rezeptoren beeinträchtigt Koffein normalerweise den Schlaf; Patienten mit Hypnic headache leiden aber nicht unter relevanten Schlafstörungen, wenn sie vor dem Einschlafen oder in der Kopfschmerzattacke Kaffee trinken (6). Erwähnenswert ist noch die hohe Prävalenz (circa 35 Prozent) von Migräne oder Migräne- Vorgeschichte bei Hypnic-headache-Patienten (5). Die beiden Kopfschmerzerkrankungen unterscheiden sich so sehr, dass Hypnic head -ache sicher nicht als Migräne-Subtyp ange- sehen werden kann. Es werden aber Gemein- samkeiten für beide Erkrankungen in den Sig- nalwegen der Schmerzentstehung vermutet (5). Diagnose und Differenzialdiagnosen Die Diagnose wird nach den neuen IHS- Kriterien gestellt (Tab.). Differenzialdiagnos- tisch müssen symptomatische Kopfschmer- zen ausgeschlossen sein, etwa durch Tumor, hypertensive Entgleisung oder Medikamen- teneinwirkung. Auch das rasche Absetzen einer längeren Lithiumtherapie (5) kann ge- nauso wie der plötzliche Verzicht auf sonst regelmäßig genossenen Kaffee (8) Ursache von Kopfschmerzen sein. Bei Kopfschmerz in Verbindung mit Schlaf ist auch an eine ob- struktive Schlafapnoe zu denken, allerdings ist der Kopfschmerz bei Schlafapnoe typi- scherweise nicht nachts, sondern morgens besonders ausgeprägt, und Patienten werden nicht durch Schmerzen aus dem Schlaf ge- weckt. Außerdem leiden Patienten mit ob- struktiver Schlafapnoe regelmäßig unter wei- teren Symptomen wie Tagesmüdigkeit. Gut behandelbare Erkrankung In der Akutbehandlung der Hypnic-headache- Attacke ist Kaffee bei 84 Prozent der betrof- fenen Patienten wirksam und damit die mit Abstand beste Therapiemaßnahme; Triptane und nicht-steroidale Antirheumatika beseiti- gen den Kopfschmerz nur bei 15 Prozent bzw. 10 Prozent der Patienten (5). Zur Prophylaxe wurden zahlreiche Pharmaka untersucht, die besten Ergebnisse zeigen Lithium, Koffein und Indometacin, die Ansprechraten lagen für Li- thium bei 77 Prozent, für Koffein bei 55 Pro- zent und für Indometacin bei 53 Prozent. Der Effekt von Lithium erklärt sich möglicherweise über den Einfluss auf Hypothalamus und zir- kadiane Rhythmik, die genauen Wirkmecha- nismen bei Hypnic headache sind unklar (5). Lithium wurde auf einen Serumspiegel von 0,6 bis 1,0 mmol/l eingestellt (4), Indometacin mit 25 bis 150 mg täglich dosiert (5); andere nicht-steroidale Antirheumatika waren nicht wirksam (5). Einschränkend zu den genannten Zahlen muss erwähnt werden, dass Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien bisher weder zur Therapie noch zur Prophylaxe von Hypnic headache vorliegen. Literaturverzeichnis im Internet unter www.aekhh.de/haeb-lv.html Prof. Dr. Christian Arning Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Schriftleiter Hamburger Ärzteblatt E-Mail: neuro@dr-arning.de Tab.: Hypnic headache – diagnostische Kriterien (ICHD-3) [3] A. Rezidivierender Kopfschmerz, der die Kriterien B-E erfüllt B. beginnt ausschließlich im Schlaf und weckt den Patienten C. tritt wenigstens in 10 Nächten pro Monat auf, über einen Zeitraum von > 3 Monaten D. hält mindestens 15 Minuten und bis zu 4 Stunden nach dem Aufwachen an E. keine kranialen autonomen Symptome, kein Unruhegefühl F. nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose Anamnese: Ein 92-jähriger, biologisch deutlich jünger wirkender Patient in gutem Allgemeinzustand klagt über eine druckdolente Schwellung im rechten Hoden. Anamnestisch, klinisch und laborchemisch zeigt sich kein sicherer Hinweis auf eine Epididymitis. Eine ambulant durchge- führte Sonografie ergibt den Verdacht auf einen zystischen Tumor, der Patient wird zur skrotalen Ablatio testis rechts eingewiesen. Die Hodensonografie ohne und mit Echokontrast zeigt Folgendes: (Dr. Christa Schmidt, Prof. Dr. Guntram Lock, 2. Medizinische Klinik, Albertinen-Krankenhaus) I H R E D I A G N O S E ? Lösung: Seite 33 1 2 3112 | 2015 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 12

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