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Hamburger Ärzteblatt 12 2015

22 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 1 2 | 2 0 1 5 G E S U N D H E I T S P O L I T I K ©ChristianWieken,MelanieVollmert;KVH Auf Kosten der Vertragsärzte Schon wieder werden wir mit einem Ge- setz konfrontiert, das ein „gefühltes“ Pro- blem lösen will und damit reale Probleme schafft. Diesmal geht es um die ambulante Versorgung außerhalb der Praxisöffnungs- zeiten. Das Krankenhausstrukturgesetz sieht vor, dass vertragsärztliche Portalpraxen an Krankenhäusern eingerichtet oder die Not- fallambulanzen der Krankenhäuser in den vertragsärztlichen Notdienst eingebunden werden sollen. Das „gefühlte“ Problem ist folgendes: Es gibt Patienten, die außerhalb der Praxisöffnungs- zeiten in die Notfallambulanzen der Kran- kenhäuser gehen, obwohl sie keine echten Notfälle sind und in einer vertragsärztlichen Notfallpraxis besser aufgehoben wären – oder sogar warten könnten, bis am nächsten Morgen die normalen Praxen öffnen. Ambulante Versorgung liefert stationäre Patienten Ein Grund für diese Fehlallokationen ist die Bequemlichkeit der Bürger: Wer zu einer vertragsärztlichen Notfallpraxis in Ham- burg fährt, kommt auf dem Weg dorthin womöglich an mehreren Krankenhäusern vorbei. Beim dritten biegt er möglicherwei- se ab und lässt sich dort behandeln. Portalpraxen-Regelung Der Gesetzgeber fördert die ambulante Notfallversorgung am Krankenhaus. Das verschlingt Unsummen – und wird die Zahl unnötiger Krankenhaus- einweisungen ansteigen lassen. Von Dr. Dirk Heinrich Die ambulante Versorgung von Bagatellfällen lohnt sich für die Krankenhäuser nicht. Dass sie dennoch nicht auf die Notfallversorgung verzichten und bisweilen sogar dafür wer- ben, hat einen übergeordneten Grund: Die Ambulanzen helfen dabei, stationäre Patien- ten ins eigene Haus zu lenken. Diese Situati- on ist nicht ideal, stellt aber kein wirkliches Problem dar. Denn daneben gibt es mit dem vertragsärztlichen Notfalldienst ja ein leis- tungsstarkes System, das eigens dafür konzi- piert ist, die Patienten außerhalb der Sprech- stundenzeiten effektiv und kostengünstig zu versorgen. Doch nun kommt das Krankenhausstruktur- gesetz, mit dem de facto ambulante Notfall- Leistungen am Krankenhaus gefördert wer- den. Um diese erstaunliche Maßnahme zu verstehen, muss man wissen: Wir haben in Deutschland zu viele Krankenhäuser. Doch daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und einige Kliniken zu schließen, wäre ziemlich unpopulär. Deshalb suchen die Gesundheitspolitiker nach neuen Finan- zierungsquellen, um den stationären Bereich zu subventionieren – gerne auch zulasten Dritter. Da trifft es sich gut, dass die Leistun- gen, die Krankenhäuser für den ambulanten Notfalldienst erbringen, aus dem Budget der Vertragsärzte bezahlt werden. Und weil die Vergütung für diese Leistungen nach Ansicht der Krankenhäuser nicht auskömmlich ist, greift die Regierung in die Hoheit unserer Selbstverwaltung ein: Bei den Verhandlun- gen über diese EBM-Ziffern sitzt künftig auch die Krankenhausgesellschaft mit am Tisch. Und das Krankenhausstrukturgesetz hat die Marschrichtung schon vorgegeben: Die Vergütung soll „angepasst“ werden. Werden die Leistungen für den ambulanten Notfalldienst zu schlecht bezahlt? Aber ja! Doch das gilt auch für andere EBM-Leistun- gen. Den Verwaltungschefs der Krankenhäu- ser kann das egal sein. Sie träumen davon, die ambulanten Notfallleistungen künftig dreimal höher vergütet zu bekommen als zuvor – und die Ambulanzen weiterhin als Ansaugrüssel für die stationäre Versorgung zu nutzen. Krankenhausaufenthalte lassen sich vermeiden Eine gezielte Förderung von Fehlallokatio- nen kann aber doch nicht das Ziel einer ge- sundheitspolitischen Reform sein. Sinn und Zweck des ambulanten Notfalldiensts ist schließlich auch, Patienten auszufiltern, die keine echten Notfälle sind – und unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Ärztlicher Notfalldienst der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg: In den Notfallpraxen Farmsen, Berner Heerweg 124 (l.), und Altona, Stresemannstraße 54 (r.), werden Patienten außerhalb der regulären Sprechstunden fach-, allgemein- und unfallärztlich versorgt. Außerdem steht der fahrende Notfalldienst zur Verfügung 22 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 12 | 2015

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