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Hamburger Ärzteblatt 12 2015

18 Ambulante Versorgung von Flüchtlingen Zahlreiche Hamburger Kliniken beteiligen sich inzwischen an der Mammut- Aufgabe. In Erstaufnahmeeinrichtungen bieten sie Sprechstunden an, die sie auch selbst organisieren. Von Sandra Wilsdorf Krankenhaus kommt zum Patienten Bei der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge wird das gesamte System benötigt. Anfangs waren es vor allem die Kliniken, die in ih- ren Notaufnahmen zu spüren bekamen, dass es keine geregelte Ver- sorgung gab – ebenso wie der kassenärztliche Notdienst der KVH. Inzwischen gibt es in den meisten Zentralen Erstaufnahmen (ZEA) allgemeinärztliche Sprechstunden, das Regelsystem niedergelassener Fachärzte ist ebenfalls eingebunden. Aber auch etliche Hamburger Kliniken bieten Sprechstunden in den Einrichtungen an: Bundeswehrkrankenhaus Das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg hat seit Anfang September die allgemeinmedizinische Versorgung von Flüchtlingen übernom- men: In der Einrichtung in der Oktaviostraße in Marienthal werden von montags bis freitags jeweils durch einen Bundeswehrarzt und eine medizinische Fachangestellte Sprechstunden angeboten. Dreimal die Woche haben diese einen allgemeinmedizinischen, zweimal einen dermatologischen Schwerpunkt. Wegen der dramatisch steigenden Flüchtlingszahlen hilft der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr im Zuge der Amtshilfe auch in anderen Bundesländern – beispiels- weise in Niedersachsen im „Verteilerzentrum Camp Fallingbostel“. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift Das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift betreibt dreimal pro Woche eine kindermedizinische Sprechstunde an den ZEA Bargkoppelstieg und Jenfelder Moorpark. Der Anstoß zu der Sprechstunde war von der Klinik selber gekommen: „Die Notaufnahme der Klinik wurde extrem häufig aufgesucht, die Versorgung war schwierig“, erzählt Dr. Sönke Siefert, Chefarzt der Abteilung Medizin-Management und Medizin- Öffentlichkeitsarbeit. Denn die Flüchtlingsfamilien waren mit ihren Kindern meist nachts und per Krankenwagen in die Klinik gekommen – natürlich ohne Dolmetscher. Das Wilhelmstift habe der Behörde des- halb vorgeschlagen, eine Sprechstunde vor Ort einzurichten. „Es ha- ben sich gleich genügend Kolleginnen und Kollegen gemeldet, die das machen wollten“, so Siefert. Jeweils eine Kinderärztin bzw. ein Kinder- arzt, eine medizinische Fachangestellte oder Kinderkrankenschwester halten seitdem die Sprechstunden ab. Die Krankheitsbilder seien meist die, die man in jeder kinderärztlichen Sprechstunde sieht, mit Schwer- punkt auf Erkältungen und Durchfallerkrankungen. Die Notfallambu- lanz sei seitdem auch wieder normal frequentiert. Altonaer Kinderkrankenhaus Auch das Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) beteiligt sich an der Versorgung von Flüchtlingskindern: Seit Anfang Oktober bieten Ärz- tinnen und Ärzte und medizinisches Fachpersonal neben ihrem eigent- lichen Dienst im AKK zwei kinderärztliche Sprechstunden pro Woche in der ZEA Schnackenburgallee in Bahrenfeld an. Nachdem Behörde und AKK sich auf ein Konzept verständigt hatten, erklärten sich schnell knapp zwanzig Pflegekräfte und Ärzte des AKK zur Mitarbeit bereit, zehn sind derzeit im Einsatz. Die Kinderärztin Dr. Janneke Ohlhoff be- treut das Engagement und sagt: „Es macht allen großen Spaß.“ Universitätsklinikum Hamburg­Eppendorf (UKE) Das Institut für Allgemeinmedizin am UKE hat Anfang November die primärärztliche Versorgung der Menschen in der ZEA am Rugenbarg in Osdorf übernommen (Leitung: Prof. Dr. Martin Scherer). Die zu- nächst täglichen Sprechstunden werden durch Ärztinnen und Ärzte des Instituts und der allgemeinmedizinischen Ambulanz angeboten, unterstützt durch einen medizinischen Fachangestellten, der dafür ex- tra eingestellt wurde. Eine Initiative der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (gemein- sam mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie Harburg und Wilhelm- stift) zielt auf das Angebot von Sprechstunden in den Aufnahmeein- richtungen, um minderjährige unbegleitete Flüchtlinge kinder- und jugendpsychiatrisch zu versorgen. Planung und Absprache mit der Gesundheitsbehörde sind bereits fortgeschritten. Warten vor dem Container auf die Behandlung Anmeldung zur Sprechstunde in der Zentralen Erstaufnahme in der Oktavio- straße in Marienthal. Wenige Formalitäten vor und nach der Behandlung ©BundeswehrkrankenhausHamburg;InstitutfürAllgemeinmedizin,UKE;dpa D A S T H E M A H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 1 2 | 2 0 1 5 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 12 | 2015

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