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Hamburger Ärzteblatt 12 2015

14 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 1 2 | 2 0 1 5 ©dpa(2),ÄrztekammerHamburg Beim Auftakt der Fortbildungsreihe „Medizinische Versorgung von Flüchtlingen“ im Oktober war es Gesundheitssenatorin Cornelia Prü- fer-Storcks ein Anliegen, sich bei allen anwesenden Ärztinnen und Ärzten für ihren unermüdlichen Einsatz für die Flüchtlinge zu be- danken. Sie warb um Verständnis dafür, dass bei der hohen Zahl an eintreffenden Menschen nicht alles reibungslos laufen könne: „Es ist unzumutbar, in unbeheizten Zelten zu wohnen bei den Temperaturen. Es arbeiten alle unter Hochdruck daran, die Situation zu verbessern.“ 2015seienbisherrund30.000MenschennachHamburggekommen,die zunächst von der Stadt untergebracht werden müssten, davon würden circa 16.000 Menschen in den Zentralen Erstaufnahmen (ZEA) woh- nen, von ihnen 4.000 Menschen in Zelten. Die Zelte werden inzwischen beheizt oder durch feste Unterkünfte ersetzt. Neben der Unterbringung bereite die Gesundheitsversorgung an einigen Stellen noch Kopfzerbre- chen. „Wir dachten, wir hätten mit der Gesundheitskarte die Probleme vorbildlich gelöst“, so die Senatorin. Aufgrund der großen Zahl von Flüchtlingen hätte sich die Behörde von der Fiktion lösen müssen, alle vom ersten Tag an in die Regelversorgung integrieren zu können. „Das Notwendige ist der Maßstab“, erläuterte Prüfer-Storcks den Stan- dard bei der Versorgung von Flüchtlingen vor der Anerkennung. Dies bedeute auch, eine chronische Krankheit werde natürlich behandelt, aber die Einschreibung in ein Disease-Management-System mache kei- nen Sinn, wenn nicht klar sei, wo sich der Flüchtling morgen aufhalte. Die Senatorin erläuterte zudem, dass der Bundestag eine Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes beschlossen hat, die unter anderem vorsieht, dass Ärzte unter den Flüchtlingen unter Regie eines deutschen Arztes eingesetzt werden und so als Mittler fungieren können. Die Zahlen explodierten Der Bericht von Melanie Anger, Bereichsleiterin „Zentrale Erstauf- nahme“ von fördern & wohnen (f & w), dem öffentlichen Träger für die Erst- und Folgeunterbringung, zeigte, wie hoch die Belastung der Menschen ist, die die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlin- ge organisieren. „Wir haben noch im Juni gedacht, wir schaffen das. Doch dann explodierten die Zahlen. Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir fünf Erstaufnahmen, jetzt sind es über 30 Standorte.“ Es erfolge lediglich eine Einarbeitung „light“ für neue Mitarbeiter, da erfahrenes Personal sehr stark beansprucht sei. Ein Arzt aus dem Plenum merkte dazu an, dass der Erhebungsbogen der Erstuntersuchung nicht in den allgemeinmedizinischen Sprechstunden vor Ort ankommen würde, weshalb der Arzt dort mit der Anamnese wieder ganz von vorne an- fangen müsse. Dr. Johannes Nießen, der mit der Organisation der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen betraut ist, bedankte sich für die Rückmeldung und versprach: „Wir finden eine Lösung.“ Fachliche Standards erarbeitet Ulrike Peifer, Leiterin der Fachabteilung Öffentlicher Gesundheits- dienst der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV), berichtete, dass die Lenkungsgruppe „Medizinische Versorgung Flüchtlinge“ für einen wöchentlichen Austausch zwischen Behörden und den Gesundheitsämtern zum aktuellen Bedarf eingesetzt worden sei. Zentrales Ergebnis seien fachliche Standards für alle Einrichtun- gen, die Ärzten Sicherheit geben und einen Wechsel zwischen den Einrichtungen erleichtern (s. Kasten rechts). Die Hauptbotschaft Pei- fers: „Sie sind in den allgemeinmedizinischen Sprechstunden dafür da, die Basisversorgung zu sichern.“ Diese sogenannte „First-line“- Versorgung bedeute auch kurze Wege für Flüchtlinge. Dafür wurde mit dem 24-Stunden-Schein, den der Betreiber der jeweiligen Un- terbringung ausstellt, ein Abrechnungssystem entwickelt, das schon vor der Gesundheitskarte greift und die weitere Versorgung über das Regelsystem ermöglicht. Die Erstversorgung erfolge in der ZEA, dann solle zum Facharzt oder in die Klinik weiterverwiesen werden. Dieses Konstrukt entspreche dem §4 Asylbewerberleistungsgesetz. Impfungen fänden im Rahmen der Erstuntersuchung statt, nur Folgeimpfungen seien in den Sprech- stunden zu übernehmen. Eine Ausnahme werde die Impfung gegen Influenza sein, denn diese solle allen Flüchtlingen angeboten werden und über die ZEA laufen. „Sollten Sie leicht übertragbare Krankhei- ten diagnostizieren, melden Sie es dem Gesundheitsamt“, ergänzte Peifer. „Auch bei nicht meldepflichtigen, aber ansteckenden Erkran- kungen informieren Sie bitte den Einrichtungsträger. Datenschutz- rechtlich sei dies geprüft, auch Namen dürften weitergegeben werden. Flüchtlingsärzte der ersten Stunde Von ihren Erfahrungen in Zentralen Erstaufnahmen berichteten Dr. Arne Breest (siehe S. 17), seit April 2012 in der Sportallee, und Erfahrungsaustausch Am 15. Oktober trafen sich in der Ärztekammer Hamburg rund 140 Ärztinnen und Ärzte, die bereits in Erstaufnahmeeinrichtungen tätig sind, zum Auftakt der Fortbildungsreihe „Medizinische Versorgung von Flüchtlingen“.Von Nicola Timpe „Jede Hand wird gebraucht“ Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Strorcks bedankte sich bei den Ärzten für ihr Engagement in der Flüchtlingsversorgung D A S T H E M A 14 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 12 | 2015

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