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Hamburger Ärzteblatt 05 2016

370 5 | 2 0 1 6 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T terbauch und Genitalbereich Hinweise auf eine Hodentorsion sein. Bei dem bekannten engen Zeitfenster zur Rettung des Hodens erfordert ein solches Krankheitsbild eine entsprechende Aufmerksamkeit und geziel- te Diagnostik. Hier sind sowohl den Ärzten der Klinik als auch den Ärzten des Kinder- krankenhauses Versäumnisse vorzuwerfen. Aus dem Notfallprotokoll der Kinderklinik geht hervor, dass Hodenschmerzen berich- tet worden sind. Der dokumentierte Un- tersuchungsbericht lässt jeden Hinweis auf eine Untersuchung der Genitalorgane ver- missen. Die Schlichtungsstelle geht auf der Basis der Dokumentation davon aus, dass eine klinische Untersuchung der Genital- region fehlerhaft nicht erfolgte. Es hätte in jedem Fall der Genitalbereich entblößt und klinisch untersucht werden müssen. Dann hätte sich eine Ultraschalluntersuchung an- schließen müssen. Im vorliegenden Fall waren Mängel in der Befunderhebung festzustellen, die die Be- weislast zulasten des Arztes umkehrten (vgl. BGH NJW 2004, 1871 ff.). Bei ordnungsgemäßer Befunderhebung mit Untersuchung des Genitales und der Leiste wäre in der Klinik mit hoher Wahrschein- lichkeit ein schmerzhafter Tastbefund auf- gefallen. Differenzialdiagnostisch dann eine Affektion des Hodens, eine Hodentorsion oder Ähnliches nicht weiter abzuklären, wäre ein schwerer Fehler gewesen, da es sich um einen chirurgischen Notfall handelt. Vor dem Hintergrund der Beweislastumkehr reicht es für den Kausalitätsnachweis aus, dass die zu unterstellende fundamentale Verkennung des zu erwartenden Befunds oder die Nichtreaktion darauf generell ge- eignet ist, einen Schaden der tatsächlich eingetretenen Art herbeizuführen. Die Entscheidung, das Kind ins Kinder- kankenhaus weiterzuleiten, war mit einem weiteren deutlichen Zeitverlust verbunden und wird deshalb zusätzlich als Fehler ange- sehen, da eine Versorgung durch die Urolo- gen der Klinik möglich gewesen wäre. Auch im Kinderkrankenhaus wurde im Aufnah- mebefund und bei den nachfolgenden Un- tersuchungen bis zum nächsten Vormittag kein exakter Genitalbefund dokumentiert, und es erfolgte keine dem Krankheitsbild angemessene Befunderhebung. Zu berück- sichtigen ist, dass die Aufnahme in das Kin- derkrankenhaus deutlich nach einem für die Hodentorsion günstigen Zeitfenster der Versorgung von sechs Stunden erfolgte. Die Rettung eines torquierten Hodens hatte da- mit zu diesem Zeitpunkt keine Aussicht auf Erfolg, sodass sich die genannten Fehler im weiterbehandelnden Kinderkrankenhaus haftungsrechtlich im Schadensumfang nicht mehr auswirkten. Bei korrektem Vorgehen hätte bei zeit- gerechter Diagnosestellung in der Klinik eine Operation gegen 14 Uhr stattfinden müssen. Infolge des Verstreichenlassens des Zeitfensters von sechs Stunden ist die Hodenatrophie als vermeidbarer Schaden anzusehen. Die weiteren operativen Maß- nahmen zur Orchidopexie beziehungsweise zur Revision des linken Genitales sind nicht ursächlich auf dieses fehlerhafte Vorgehen der Klinik zurückzuführen. Kerstin Kols, Ass. jur. Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern Dr. Joachim Lachmund Facharzt für Urologie Ärztliches Mitglied E-Mail: info@schlichtungsstelle.de Anamnese: Drei unterschiedliche Patienten (Bild 1, Bild 2a, Bild 3a und 3b) werden aufgrund von Hyponatriämien sonografisch untersucht. Im hohen lateralen Flankenschnitt (bzw. Oberbauchquerschnitt, Bild 3b) werden folgende Befunde dargestellt. Ihre Verdachtsdiagnosen? (Dr. Christa Schmidt und Prof. Dr. Guntram Lock, Klinik für Innere Medizin, Albertinen-Krankenhaus) 3b I H R E D I A G N O S E ? Lösung Quiz Seite 39 1 3a 2a 3705 | 2016 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T

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