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Hamburger Ärzteblatt 05 2016

©Fotolia–Kurhan 330 5 | 2 0 1 6 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T patienten insgesamt 11 Patienten (4,5 Prozent) auch Symptome einer Trigeminusneuralgie auf. Bei nur 3 Patienten (1,2 Prozent) traten die unterschiedlichen Schmerzattacken auch unabhängig voneinander auf. In den meisten Fällen sind die Trigeminusneuralgie(-artigen)- Attacken jedoch als Teil des Clusterkopfschmerzspektrums anzuse- hen und benötigen somit keine eigenständige Behandlung (2). Medikamentöse Therapieoptionen Bei unserem Patienten geht es also darum herauszufinden, ob die beiden Schmerzarten mit der jeweils spezifischen Medikation be- herrschbar sind. Problematisch sind die Vorerkrankungen: Eine koronare Herzerkrankung mit Zustand nach Herzinfarkt sowie ein AV-Block II°, die eine (bei Clusterkopfschmerz sehr erfolgreiche) Medikation mit Verapamil oder Lithium verhindern (11). Auch eine Akuttherapie mit Triptanen ist kontraindiziert. Topiramat als nächster Schritt ist in Monotherapie nicht wirksam. Auf eine Akuttherapie mit Sauerstoff sprechen die Clusterkopf- schmerzattacken in der Regel nach 10 Minuten an, nicht jedoch die neuralgiformen Schmerzattacken. Eine Medikation mit Carbama- zepin gegen die Gesichtsschmerzen führte bei dem Patienten zuvor zu keiner guten Symptomkontrolle und ist aufgrund der Herzrhyth- musstörungen ebenfalls kontraindiziert. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass durch eine Blockade des N. occipitalis major im Rahmen einer subokzipitalen Injek- tion von Kortikosteroiden und Lokalanästhetika, ein sogenann- ter GON-Block, Clusterkopfschmerzen reduziert werden können (7, 8, 9, 11). Auch bei Patienten mit einer Trigeminusneuralgie konnte eine Wirksamkeit dieses Verfahrens nachgewiesen werden (10). Der genaue Wirkmechanismus dieser Blockade bei Kopf- und Gesichtsschmerzen ist aktuell noch nicht vollständig bekannt. Einen möglichen Erklärungsansatz bietet jedoch das Konzept einer funk- tionellen Konnektivität zwischen den nozizeptiven Afferenzen von C1–3 und trigeminalen nozizeptiven Afferenzen des N. trigeminus im Hirnstamm, dem sogenannten trigeminozervikalen Komplex. Wegen der therapeutisch schwierigen Situation mit Kontraindika- tionen gegen fast alle Medikamente der ersten Wahl wird ein GON- Block mit 4 mg Dexamethason und 40 mg Lidocain durchgeführt, A. Wenigstens 5 Attacken, welche die Kriterien B bis D erfüllen. B. Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten. C. Begleitend tritt wenigstens eines der nachfolgend angeführten Charakteristika auf: 1. ipsilaterale konjunktivale Injektion und/oder Lakrimation, 2. ipsilaterale nasale Kongestion und/oder Rhinor- rhoe, 3. ipsilaterales Lidödem, 4. ipsilaterales Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes, 5. ipsilaterale Miosis und/oder Ptosis, 6. körperliche Unruhe oder Agitiertheit. D. Die Attackenfrequenz liegt zwischen 1 Attacke jeden 2. Tag und 8 proTag. E. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen. Tab. 2: Diagnostische Kriterien des Clusterkopfschmerzes (1) der nach 2 Tagen zu einer kompletten Schmerzfreiheit führt, die für 12 Wochen anhält. Wirksame Nervenblockade Aufgrund der einfachen Durchführung in der Praxis, der Sicherheit dieser Prozedur und der relativ langen Beschwerdefreiheit nach die- sem Eingriff stellt die GON-Blockade eine alternative Behandlungs- möglichkeit beim Clusterkopfschmerz und vielleicht auch bei der Trigeminusneuralgie dar, wenn chirurgische Optionen oder invasive Stimulationsverfahren (noch) nicht infrage kommen oder der Zeit- raum bis zum Wirkungseintritt einer medikamentösen Prophylaxe überbrückt werden muss. Auch wenn die Evidenz bei der Trigeminusneuralgie durch kontrol- lierte Studien bisher noch gering ist, die periphere Nervenblockade des N. occipitalis ist schon aufgrund der sehr geringen Nebenwir- kungsquote bei bestimmten Schmerzsyndromen eine brauchbare Therapiealternative und sollte niedrigschwellig versucht werden. Literaturverzeichnis im Internet unter www.aekhh.de/haeb-lv.html Dr. Katrin Giesen Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Institut für Systemische Neurowissenschaften E-Mail: k.giesen@uke.de www.uke.de/kliniken-institute/institute/systemische- neurowissenschaften/kopfschmerzambulanz Icons: iStock.com / browndogstudios Fackel: iStock.com / kvkirillov alles einfach DIE 4 ELEMENTE – FEUER Das Feuer: hell, warm und wegweisend. Ein kleiner Funke genügt. ELEMENTAR FÜR DEN ARZT IST: EINE EINFACHE HANDHABUNG MEDATIXX – DIE PRAXISSOFTWARE MIT GROSSER WIRKUNG. Eine neue Praxissoftware, die den Weg frei macht für die Behandlung Ihrer Patienten. Mit Selbst-Updates, klarer Darstellung und intuitiver Bedienbar- keit. Wenn alles einfach funktioniert, macht Praxissoftware Freude und der Funke springt über. Mehr erfahren unter: alles-bestens.medatixx.de 3305 | 2016 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T

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