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Hamburger Ärzteblatt 05 2016

24 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 0 5 | 2 0 1 624 G E S U N D H E I T S P O L I T I K EBM – verzögert reformiert, aber wichtiger denn je Der derzeit gültige Einheitliche Bewer- tungsmaßstab (EBM) wurde im Jahr 2008 eingeführt. Ursprünglich hatte er einmal EBM 2000 geheißen. In den gut acht Jah- ren seiner Entwicklung hat er mehrfach Veränderungen erfahren, bevor er in Kraft trat. Am Ende gab es wie immer bei Ge- bührenordnungsänderungen Gewinner und Verlierer. Der EBM ist jetzt acht Jahre alt. In der Zwischenzeit hat es Innovatio- nen gegeben, Behandlungsmethoden haben sich verändert, Leistungsinhalte haben sich verschoben, folglich zeigen sich Honorar- verschiebungen und nicht geplante Verwer- fungen. Deshalb haben sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Gesetzliche Krankenkassen (GKV) auf eine Revision verständigt. Ob dies wirklich sinnvoll ist, war und ist umstritten. Denn da gibt es das Damoklesschwert der Kostenneutralität. Kostenneutralität ist nicht nur sinnlos, sondern gefährlich Galt anfangs noch die vollständige Kosten- neutralität, gibt es mittlerweile immerhin eine Protokollnotiz zwischen KBV und GKV, die diesem Grundsatz ausweicht. Dies ist wichtig, denn einen reinen neuen Ver- schiebebahnhof EBM wollen die wenigsten. Bei vollständiger Kostenneutralität wäre die Einführung neuer Gebührenordnungsposi- tionen nicht nur vollkommen sinnlos, son- dern höchst gefährlich. Es besteht ein allzu großes Interesse bei den Krankenkassen, alles Mögliche in das Budget hineinzudrü- cken. Die Risiken eines neuen EBM sind also groß. Andererseits können auf Dauer die Un- wuchten eines EBM auch nicht bestehen bleiben. Die Kassenärzte haben mal wieder die Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Die KBV ist also gut beraten, bei der erneu- ten Reform des EBM besonders umsichtig vorzugehen. Man hat den Eindruck, dass dies geschieht. Von Anfang an wurden die Berufsverbände in den Prozess der Neuent- wicklung mit einbezogen. In einem struktu- rierten Prozess wurden sie gefragt, welche Neuerungen, Ergänzungen oder welchen Veränderungsbedarf sie in dem einen neu- en EBM-Kapitel ihres Fachs sehen. Eigene Vorschläge durften gemacht werden, und diese wurden mit der KBV dann diskutiert. Dieser Prozess läuft zurzeit noch. Darüber hinaus macht sich die KBV sehr strukturiert Gedanken über die Weiterent- wicklung des Standardbewertungssystems, welches dem EBM als Kalkulationsgrund- lage dient. Neue Bewertung für Arztgehalt und technische Leistungen Hierbei geht es insbesondere um die Be- wertung des sogenannten Arztgehalts, das in dieses System eingerechnet ist. Hier sind bisher 105.000 Euro für den Arzt hinterlegt. Dieser Betrag schließt sämtliche Leistungen am Patienten, aber auch Kosten in der Bü- rokratiebewältigung mit ein. Er berücksich- tigt auch die enorme Arbeitszeit des nieder- gelassenen Arztes. Durch die Gehaltsentwicklung im Kran- kenhaus, Inflation und andere Verände- rungen in der Sozialpolitik ist das derzeit hinterlegte fiktive Arztgehalt längst nicht mehr realistisch. Seriöse Berechnungen ©Fotolia–nito;KVH Neufassung Die Weiterentwicklung des EBM soll bis Mitte März 2017 beendet sein. Bei der Reform muss die Kassenärztliche Bundesvereinigung umsichtig vorgehen, besonders bei der Weiterentwicklung des Standardbewertungssystems. Von Dr. Dirk Heinrich Der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) ist das Vergütungssystem der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland, nach dem ambulante und belegärztliche Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden. Bis 2017 soll eine Neufassung der acht Jahre alten Abrechnungsgrundlage vorliegen 24 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 05 | 201624

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