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Hamburger Ärzteblatt 05 2016

190 5 | 2 0 1 6 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T In diesem Jahr ist Prof. Dr. Winfried Kahlke Ehrenpräsident des Deut- schen Ärztetags in Hamburg. Das politische Urgestein hat 1969 zum ersten Mal an einem Ärztetag teilgenommen, weitere 21 folgten. Der heute 83-Jährige blickt auf einen langen Werdegang in der Standes- und Gesundheitspolitik zurück, und wenn es seiner Meinung nach nötig war, konnte der ansonsten stets höfliche, zuvorkommende Kahlke ein streitbarer Geist sein – getreu seinem hanseatischen Lebensmot- to: Kurs halten, auch bei Gegenwind … Herr Kahlke, wie sind Sie zur Standespolitik gekommen? Als Assistentensprecher habe ich damals in Hei- delberg den Notfalldienst am Wochenende zur Entlastung der niedergelassenen Ärzte mit orga- nisiert. Darüber kam ich mit der Kammerpolitik in Berührung und wurde Mitglied im Vorstand der Bezirksärztekammer Nordbaden. Die Kolle- gen waren davon nicht so angetan, da ich wegen meines hochschulpolitischen Engagements über die Landesgrenzen hinaus bekannt war. Ihr Ruf eilte Ihnen voraus? Es gab zu der Zeit einen ziemlichen Um- bruch in der Hochschulpolitik, es sollte eine neue Klinikordnung verabschiedet werden. Wir haben uns damals sehr in die Landespo- litik eingemischt. Außerdem kämpften wir Assistentenvertreter für eine Überstundenbezahlung der Klinik- assistenten. Mit unserem politischen Engagement machten wir uns in der Fakultät nicht sonderlich beliebt. Und zum Leidwesen meines damaligen Chefs wurde ich für Baden-Württemberg auch noch Ver- treter in der Landesassistentenkonferenz. Wie haben Sie sich mit Ihren Standpunkten Gehör verschafft? Wir Assistentenvertreter hatten bestimmte Vorstellungen und ha- ben hartnäckig für ihre Durchsetzung gekämpft. Ich gestehe, das hat uns richtig Spaß gemacht, trotz harter Auseinandersetzungen in den Gremien. Wir ließen kein gutes Haar an den Klinikordi- narien. Bei einer Rektoratsübergabe sagte ich einmal: „Die Leitung einer Klinik bedeutet, an der Quelle einer unberechtigten, persönlichen Bereicherung zu sitzen.“ Diesem Affront folgte einige Wochen später der Anruf eines Journalisten vom Heidelberger Tageblatt, der mich darüber informierte, dass ein Disziplinarverfahren gegen einen Kolle- gen und mich – ich war damals Privatdozent – angestrengt werden solle. In einer 23-seitigen Stellungnahme konnten wir Punkt für Punkt unsere Kritik belegen. Unter anderem zeigten wir auf, dass Klinikchefs bei der Einrichtung der vom Kultusministerium vorgesehenen Abteilungen gemauert haben und die Abtei- lungsleiterstellen unter Wert besetzten, um keine „Halb- bzw. Viertelgötter“ neben sich zu haben. Das ging eindeutig gegen die poli- tisch gewollte Strukturreform. Damit sind die Klinikchefs damals ins offene Messer gelaufen. Das Verfahren wurde geräuschlos beerdigt. Haben Sie damit nicht Ihren beruflichenWerdegang gefährdet? Ja, das hätte ich sicher, denn wir hatten Zweijahresverträge in Hei- delberg, und der Klinikchef entschied darüber, wer wissenschaftlich weiter gefördert werden sollte und wer nicht. Bei meinem politi- schen Engagement wäre es eine Erleichterung für die Klinikleitung Deutscher Ärztetag Prof. Dr. Winfried Kahlke ist Ehrenpräsident des 119. Ärztetags in Hamburg. Zum ersten Mal war er 1969 im Ärzteparlament dabei. Über seine Erlebnisse als Delegierter berichtet der politisch Streitbare im Interview. Interview: Nicola Timpe, Dorthe Kieckbusch Kurs halten, auch bei Gegenwind … Prof. em. Dr.Winfried Kahlke Ehrenpräsident des Deutschen Ärztetages in Hamburg ©ThorstenAhlfsTAcaps;privat 1905 | 2016 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T

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