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Hamburger Ärzteblatt 05 2016

150 5 | 2 0 1 6 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T re Veränderung an der Wange auf Höhe der Kauebene, sie ist leicht erhaben und häufig auch mit Einbissspuren, so handelt es sich meist um die häufig vorkommende Morsicatio buccarum (Abb. 12). Diese Hyperkeratose entsteht aufgrund mechanischer Reizung während pa- rafunktioneller Aktivitäten wie Kieferpressen und Wangensaugen bei Bruxismus. Eine weißliche, nicht abwischbare Verfärbung am harten und teils auch am weichen Gaumen, häufig mit roten Makula oder Papeln übersät, tritt bei starken Rauchern auf (Rauchergaumen bzw. Raucherleukokeratose) und hat keinen spezifischen Krankheitswert. Infektionen Bei abwischbaren weißlichen Veränderungen kann es sich um eine Pilzinfektion mit Candida albicans (orale Candidose) handeln (Abb. 13). In der Akutphase befindet sich unter den Belägen ein stark geröteter Untergrund, bei chronischem Verlauf treten eher hyperplastische plaqueartige Erscheinungsformen auf. Ausgepräg- te wiederkehrende orale Candidainfektionen sind häufig mit einer Grunderkrankung wie z.B. einer Immunsuppression im Rahmen einer Chemotherapie oder einer HIV-Infektion (42) assoziiert oder können durch die Verschiebung der ökologischen Nische durch eine Antibiose entstehen. Eng mit Pilzinfektionen im Zusammenhang stehen bakterielle Infek- tionen, die oft Mischinfektionen (Candida-assoziiert) darstellen. Kli- nisches Bild ist eine rötliche, teilweise auch ödematös geschwollene Schleimhaut, oft verbunden mit Schmerzen. Diese Veränderungen treten häufig exakt im Bereich der Prothesen (Prothesenstomatitis; Abb. 14) oder generell der Mundschleimhaut (Stomatitis bzw. Mu- kositis; Abb. 13 und Abb. 15) auf. Ursache sind eine insuffiziente Mund- und/oder Prothesenhygiene, eine langfristige Verabreichung von Antibiotika oder eine eingeschränkte Immunabwehr. Für eine bakterielle Mukositis stellt zusätzlich neben Nikotin und Alkohol insbesondere die Bestrahlung von Tumoren im Kopf- und Halsbe- reich einen relevanten Risikofaktor dar. Differenzialdiagnostisch kann eine rötliche Schleimhautveränderung auch Symptom einer allergischen Reaktion sein. Oft ist der Befund mit neuem Zahnersatz assoziiert und eine Immunreaktion auf Prothesenbestandteile. Mögliche orale Manifestationen viraler Infektionen sind vielfältig. Rötliche Veränderungen (Enantheme) auf der Mundschleimhaut können auf eine Varizellen-Infektion hinweisen, ausgelöst durch humane Herpesviren (HHV 3). Neben den Schleimhautverände- rungen besteht auch eine allgemeine Hautbeteiligung. Befundbild ist das Nebeneinanderbestehen von sowohl roten Makula als auch vesikulösen Veränderungen. Bläschenähnliche Effloreszenzen, häu- fig perioral und zum Teil schmierig belegt, weisen auf eine Infektion mit Herpes simplex (HSV 1) hin. Diese kann aber auch zu stark ent- zündetem und geschwollenem Zahnfleisch, Ulzerationen und ap- thoiden Läsionen als Gingivostomatitis herpetica bzw. Mundfäule führen. Es sind vor allem Kinder betroffen. Oft geht die Erkrankung mit einer B-Symptomatik (Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl) einher. Weißliche, teilweise auch gräuliche Schleimhautverände- rungen, die eine hyperkeratotische Oberfläche aufweisen, sind oft ein Leitbefund für orale Hautwarzen als Folge einer Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV). Bei einer HIV-Infektion kön- nen, wie bereits beschrieben, vor allem nekrotisierende und ulzerie- rende Veränderungen des Zahnfleischs, multiple parodontale Abs- zesse, Haarleukoplakien primär am Zungenrand, Candidosen sowie Kaposi-Sarkome vorkommen, wobei das Auftreten und das Ausmaß stark vom Stadium der Erkrankung abhängt. Autoimmunerkrankungen Als Folge von Autoimmunerkrankungen wie Sjögren-Syndrom ist häufig eine ausgeprägte Mundtrockenheit (Xerostomie) zu beob- achten. Starke Beeinträchtigungen, unter anderem beim Schlucken und Essen, treten auf, wenn die unstimulierte Speichelproduktion der Speicheldrüsen um mindestens die Hälfte reduziert ist (9). Kon- kret ist Xerostomie definiert als das Vorliegen einer unstimulierten Speichelflussrate von ≤ 0,1 ml/min und/oder einer stimulierten Speichelflussrate von ≤ 0,5 ml/min (46). Neben Autoimmunerkran- kungen wie Sjögren-Syndrom tritt Xerostomie häufig bei älteren Personen auf und kann Folge von chronisch reduzierter Flüssig- keitszufuhr, Medikationen (z.B. Diuretika, β-Blocker, Antidepressi- va) oder Bestrahlung im Kopf- und Nackenbereich im Rahmen von Tumortherapien sein (11, 15, 21, 31). Zeigt sich oral das Bild einer abschilfernden, blasenbildenden Schleimhaut ist an Pemphigus vulgaris und bullöses Pemphigoid zu denken. Typisch für das bullöse Pemphigoid ist das generalisierte Auftreten von Blasen auf der Haut, bei ca. 20 Prozent der Patienten liegt auch eine Beteiligung der Mundschleimhaut vor. Differenzial- diagnostisch dazu liegt beim Pemphigus vulgaris fast immer eine Mundschleimhautmanifestation vor. Nach Platzen der Bläschen und Austreten klarer Flüssigkeit kommt es zu krustigen Erosionen, die in beiden Fällen beim Abheilprozess keine Narben hinterlassen. Mangelzustände Liegt intraoral eine sehr blass-rosafarbene Schleimhaut vor, könnte dies mit einer Anämie assoziiert sein, z.B. im Rahmen des Plum- mer-Vinson-Syndroms. Ein weiterer Hinweis auf eine Eisenmangel- anämie ist Zungenbrennen. Eine glatte, rote Zunge zeigt das Symp- tombild einer Möller-Hunter-Glossitis und wird häufig durch einen Mangel an Vitamin B12 hervorgerufen. Bei eingerissenen, geröteten Mundwinkeln handelt es sich wahrscheinlich um Mundwinkelrha- gaden (Cheilitis angularis; Abb. 16), die unter anderem bei Vita- min- und Eisenmangel auftreten. Besonders bei älteren Patienten ist eine Absenkung des Bisses durch abradierte oder falsch hergestellte Prothesen häufige Ursache. Literaturverzeichnis im Internet unter www.aekhh.de/haeb-lv.html Dr. Daniel R. Reißmann Oberarzt, Forschungskoordinator Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf E-Mail: d.reissmann@uke.de Abb. 10: HaarzungeAbb. 9: Amalgamtätowierung Abb. 15: Chronische Mukositis am Gaumen Abb. 16: Mundwinkelrhagade 1505 | 2016 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T

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