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Hamburger Ärzteblatt 05 2016

14 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 0 5 | 2 0 1 6 D A S T H E M A Zusammenhang zwischen Parodontitis und Schlaganfall. Erste Un- tersuchungen zeigen bei Patienten mit einer schweren Parodontitis ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko verglichen mit Personen ohne oder mit nur milder Parodontitis (19). Veränderungen der Mundschleimhaut und der Weichgewebe Farb- und Strukturveränderungen der Mundschleimhaut haben oft lokalen Ursprung, können aber auch orale Manifestationen von sys- temischen Erkrankungen darstellen. Tumore und Präkanzerosen Bei jeder nicht abwischbaren weißlichen und rötlichen Verände- rung und Verlust der strukturellen Integrität der Mundschleim- haut muss das Plattenepithelkarzinom (PEC) ausgeschlossen wer- den (Seite 13, Abb. 4). Das PEC hat einen Anteil von 5,6 Prozent aller bösartigen Tumorerkrankungen und nach wie vor eine sehr schlechte Prognose, da es zu 90 Prozent erst im fortgeschrittenen Zustand diagnostiziert wird (3). Prädilektionsstellen sind Zungen- rand, Mundboden, Wangen und die retromolare Region. Abzu- grenzen sind Erosionen und Ulzerationen aufgrund mechanischer Irritation, z.B. durch Überbelastung im Bereich von Prothesen (Abb. 5). Diese sind gerötet, geschwollen und vielfach mit einem weißlichen Fibrinbelag bedeckt. Bei lokal begrenzten Größenzu- nahmen im Bereich der Schleimhaut kann es sich auch um ein Fi- brom oder ein Lipom handeln. Die Schleimhaut ist meist reizlos. Fibrome treten oft im Bereich von mechanischen Überbelastungen auf, z.B. als Prothesenrandfibrom oder als mechanisch induzier- tes Wangenfibrom. Lipome haben eine gelbliche Farbe. Bezieht sich die Hyperplasie nur auf das Zahnfleisch, handelt es sich um eine Gingivahyperplasie (Abb. 6). Diese kann hereditär, hormo- nell bedingt oder unklarer Genese sein oder durch Antiepileptika (Hydantoin) oder Kalciumkanalblockern (z.B. Nifedipin, Amlodi- pin) ausgelöst werden (20). Eine schwammige Hyperplasie, die mit Ulzerationen und Nekrosen assoziiert ist, kann die Manifestation einer oral manifestierten Leukämie sein. Nekrotisierende und ul- zerierende Veränderungen der Gingiva sowie multiple parodontale Abszesse lassen auch auf eine stark eingeschränkte Immunabwehr wie bei einer HIV-Infektion schließen. Mit einer deutlichen Pigmentierung geht das orale maligne Melanom einher, das durch zusätzliche Blutungen und ulzerierende Anteile ge- kennzeichnet ist. Mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 15 Prozent hat das Schleimhautmelanom eine schlechte Prognose (27). Bräunli- che bis schwarze, schmerzlose Schleimhautveränderungen dagegen können auch die Manifestation einer benignen oralen Melanose, z.B. melanotische Makula (Abb. 7), oder eines blauen Nävus (Abb. 8) darstellen. Dunkle Veränderungen, die von einer bläulichen bis schwarzen Verfärbung der Mundschleimhaut reichen, können auch einen Hinweis auf eine asymptomatische Amalgamtätowierung ge- ben (Abb. 9). Anamnestisch ist oft der vorhergehende Austausch von Füllungen auffällig. Diese Hyperpigmentierungen der Schleim- haut sind harmlos und nicht therapiebedürftig. Dunkle Verfärbun- gen der Zunge werden als Haarzunge bezeichnet (Abb. 10). Dabei handelt es sich um Veränderungen der Papillae filiformes ähnlich einer Hyperkeratose. Die von leicht gelb bis zu komplett schwarz reichenden Farbveränderungen entstehen durch eingelagerte Nah- rungsbestandteile (z.B. Kaffee, Tee) oder auch durch Rauchen. Haarzungen entstehen häufig bei weicher und wenig abrasiver Kost. Auch wenn die Haarzunge keinen Krankheitswert hat, ist zu be- achten, dass diese auch häufig bei HIV-Infektion auftritt. Darüber hinaus kann ein Karposi-Sarkom bei HIV-Infektion auch auf der Mundschleimhaut auftreten. Diese Neoplasie, bedingt durch huma- ne Herpesviren (HHV 8), imponiert durch braunrote Verfärbungen mit der Möglichkeit der Ulzeration. Intraorale Präkanzerosen sind orale Leukoplakien (Abb. 11) und Erythroplakien. Diese Hyperkeratosen befinden sich häufig an der Wangenschleimhaut und zeichnen sich durch weißliche, nicht ab- wischbare Veränderungen aus. Die Prävalenz von Leukoplakien liegt zwischen 0,9 Prozent bei Frauen und 2,3 Prozent bei Männern (37). Anamnestisch ist oft ein erhöhter Tabak- und Alkoholkonsum auffällig. Homogene Leukoplakien entarten im Gegensatz zu der in- homogenen Form sehr selten. Die Transformationshäufigkeit liegt zwischen 0,1 Prozent und 18 Prozent. Eine Erythroplakie stellt eine inhomogene Form der Leukoplakie dar und hat eine höhere Trans- formationstendenz. Die Prävalenz liegt bei deutlich unter einem Prozent (38). Differenzialdiagnostisch zur Leukoplakie kann der Li- chen planus als schachbrettmusterähnliche weißliche Veränderung (hyperkeratinisierter Typ, z.B. plaqueartig oder retikulär) oder mit vermehrt auftretenden Schleimhauterosionen (erosiver Typ, z.B. ulzerativ) auftreten. Befindet sich die weißliche, nicht abwischba- ©Fotolia–ke907;PoliklinikfürZahnärztlicheProthetik,UKE Abb. 5: Ulzeration unter Prothese (Druckstelle) Abb. 6: Gingivahyperplasie Abb. 11: Leukoplakie Abb. 7: Melanotische Makula Abb. 8: Blauer Nävus an der Wange Abb. 12: Morsicatio buccarum an der Wange Abb. 13: Orale Candidose und Mukositis (Z.n. Lappenplastik) Abb. 14: Prothesenstomatitis D A S T H E M A 14 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 05 | 2016

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