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Hamburger Ärzteblatt 05 2016

130 5 | 2 0 1 6 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T Lebensjahr (7, 24, 33) und etwa die Hälfte der Bewohner von Pflege- heimen (30). Personen mit schweren psychischen Erkrankungen wie Demenz haben im Durchschnitt mehr Zähne – im Schnitt sechs –, die entweder kariös, gefüllt, überkront oder extrahiert sind, und es liegt ein um etwa 3,4-fach höheres Risiko vor, dass alle Zähne fehlen (17). Die schlechtere Mundgesundheit ist zum Teil durch nachlassende Auf- merksamkeit und Interesse für eine adäquate Mundhygiene bedingt (Abb. 2) (52). Sie kann Ernährungsgewohnheiten verändern und einen direkten Einfluss auf die Entstehung und Progression der kognitiven Beeinträchtigungen bei Demenz haben (29, 50). Schmerzen, Mundtro- ckenheit oder reduzierte Zahnzahl schränkt die Kaufunktion deutlich ein, was die Wahl der Art und Menge der Nahrungsmittel beeinflusst (6, 8, 10). Bei kompletter Zahnlosigkeit werden weniger Gemüse und Ballaststoffe konsumiert, während mehr Kalorien, Cholesterin und ge- sättigte Fettsäuren aufgenommen werden (14). Das zeigt sich auch in Blutwerten von Vitamin C und Vitamin A (44). Entzündungen des Zahnhalteapparats Parodontitis ist eine bakterielle Infektion, die durch die anhalten- de Entzündung zu einer progressiven Destruktion des Zahnhalte- apparats und damit zu Zahnverlust führt. Leitbefunde sind dentale Plaque, Zahnstein, Schwellung des Zahnfleischs oder Zahnfleisch- rückgang und Foetor ex ore. Zahnstein ist mineralisierte Plaque und imponiert als gräuliche, gelbliche oder braune, harte Ablage- rungen zwischen den Zähnen (Abb. 3). In Deutschland sind etwa 53 Prozent der Bevölkerung an einer mittelschweren und 21 Prozent an einer schweren Parodontitis erkrankt (28). Wichtige Zusammen- hänge mit der Allgemeingesundheit bestehen vor allem mit Diabe- tes mellitus und mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diabetes Parodontitis und Diabetes mellitus hängen bidirektional zusam- men (25), d.h. Diabetes mellitus führt häufiger zu einer Parodonti- tis und erhöht die Schwere der Erkrankung, gleichzeitig kann eine Parodontitis über verschiedene Mechanismen Einfluss auf Diabetes mellitus haben (26, 48). Diabetes mellitus führt bei Patienten mit Parodontitis zu erhöhtem Knochenverlust, und folglich zu mehr Zahnverlust (47). Insbesondere die bei schlecht kontrolliertem Typ- 1- und Typ-2-Diabetes auftretende Hyperglykämie ist ein relevanter Risikofaktor für Knochen- und Zahnverlust (34). Diabetes mellitus wirkt auf die Parodontitis über eine reduzierte Immunabwehr und überschießende Entzündungsreaktion sowie eine Störung des Bin- degewebs- und des Knochenmetabolismus. Dem zugrunde liegen gestörte Funktionen der polymorphkernigen Granulozyten und Makrophagen, verbunden mit dem verstärkten Vorliegen von pro- inflammatorischen und der Reduktion von antiinflammatorischen Zytokinen (16) sowie einer reduzierten Funktion der Osteoblasten (40), was zu einem reduzierten Regenerations- und Widerstandspo- tenzial des Knochens führt. Eine effektive Therapie der Parodontitis kann die Kontrolle des Blutzuckerspiegels (HbA1c-Level) positiv beeinflussen (4). Kardiovaskuläre Erkrankungen Gemäß Stellungnahme der American Heart Association aus dem Jahr 2012 reichen die vorliegenden Daten nicht aus, um eine kausa- le Beziehung zwischen Parodontitis und Koronarer Herzkrankheit (KHK) überzeugend zu belegen (22). Immerhin liefern einige Stu- dien aber schon Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang und auf potenzielle Wirkmechanismen (1). Danach induziert Parodon- titis eine Erhöhung von systemischen Entzündungsmediatoren wie CRP oder Thrombozytenaktivierungsfaktoren (2, 45), welche über eine resultierende Erhöhung der Entzündungsaktivitäten in Berei- chen atherosklerotischer Gefäßläsionen einen Einfluss auf die KHK aufweisen könnten. Eine effektive Parodontitistherapie kann syste- mische Entzündungsparameter aber senken (49). Darüber hinaus könnten oralpathogene Keime in den Blutkreislauf eintreten und sich an atherosklerotischen Plaques ansiedeln (23, 43). Zu mögli- chen Hypothesen zählt, dass oralpathogene Keime, insbesondere P. gingivalis, die Stabilität der atherosklerotischen Plaque schwächen und ein spontanes Aufreißen des die Plaque stabilisierenden En- dothels begünstigen könnten (18). Möglicherweise besteht auch ein Abb. 2: Dentale Plaque an oberem Frontzahn und mehrere kariös zerstörte Zähne (Wurzelreste) im Oberkiefer Abb. 3: Zahnstein an den Frontzähnen des Unterkiefers sowie Zahnwanderungen aufgrund von Parodontitis Abb. 1: Karies an einem Kronenrand Abb. 4: Plattenepithelkarzinom im Mundboden 1305 | 2016 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T

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