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Hamburger Ärzteblatt 05 2016 - Das Thema

12 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 0 5 | 2 0 1 6 Wechselbeziehung Erkrankungen von Zähnen, Zahnfleisch, Schleimhaut und Weichgeweben im Mund können den Gesundheitszustand von Menschen stark beeinträchtigen. Sie führen zu Schmerzen, Entzündungen und Mangelernährung und begünstigen Diabetes, Demenz und kardiovaskuläre Erkrankungen. Deshalb sollten Veränderungen im Mund rechtzeitig identifiziert und behandelt werden. Von Dr. Daniel R. Reißmann, Ragna Lamprecht, Julia Struppek, Dr. Ghazal Aarabi, Prof. Dr Udo Seedorf Mundgesundheit im Fokus der Allgemeingesundheit Mundgesundheit ist ein wesentlicher Faktor für Lebensqualität. Für eine interpersonelle Kommunikation sollte man klar und verständlich sprechen können und das ästhetische Empfinden des Gegenübers nicht übermäßig verletzen. Auch Geruchswahrnehmungen aufgrund von Halitosis (Foetor ex ore) sind dem sozialen Miteinander wenig zuträg- lich. Das Leben kann man nur genießen, wenn man ohne Schmerzen essen und kauen kann. Ist die Mundgesundheit beeinträchtigt, kann das psychosoziale Auswirkungen haben: Betroffene reduzieren ihre Kontakte, zeigen vielleicht Symptome einer depressiven Verstimmung oder entwickeln Ängste. Diese Aspekte lassen sich unter dem Begriff „mundgesundheitsbezogene Lebensqualität“ zusammenfassen (12). Veränderungen und Beeinträchtigungen im Mund können vielfältige Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben (39). Umgekehrt können Erkrankungen mit primärem Ursprung außerhalb der Mund- höhle die Mundgesundheit beeinflussen und auch dort zu sichtbaren Veränderungen führen, was als diagnostische Hilfe dienen kann. Dieser Artikel möchte einen Überblick über relevante Veränderungen in der Mundhöhle und deren Zusammenhänge mit der Allgemeinge- sundheit geben. Mundgesundheit ist nicht mit Zahngesundheit gleich- zusetzen. Die Ansicht, dass Zahnmedizin nur für Zähne zuständig ist, führt oft dazu, dass beispielsweise bei vollständiger Zahnlosigkeit kein Zahnarzt mehr für reguläre Vorsorgeuntersuchungen aufgesucht wird. Das Risiko steigt, dass pathologische Veränderungen im Mundbereich nicht frühzeitig erkannt werden. Mundgesundheit bezieht sich neben der Zahngesundheit insbesondere auch auf Zahnhalteapparat (Paro- dontium), Mundschleimhaut inklusive Zunge, Kiefergelenke, Kaumus- kulatur und Speicheldrüsen sowie Größen- und Lageabweichungen der Kiefer (51). Zusammenhang von Mund- und Allgemeingesundheit Verbindungen zwischen Mund- und Allgemeingesundheit sind vielfältig. So besteht beispielsweise ein Zusammenhang zwischen Schmerzen des Bewegungsapparats und Schmerzen im Bereich der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur (13), außerdem korreliert die Anzahl der Zähne mit der Gesamtsterblichkeit (36). Die wichtigsten Veränderungen im Mund aus allgemeinmedizinischer Sicht sind: Zahnhartsubstanzveränderungen und Zahnverlust Eine gute Mundgesundheit ist für eine gesunde und ausgewoge- ne Ernährung essenziell. Karies, Parodontitis und Trauma sind die wesentlichen Ursachen dafür (41), dass bei vielen Menschen im zu- nehmenden Alter die Anzahl der Zähne abnimmt. Bräunliche Verän- derungen sind ein Hinweis auf eine fortschreitende Karies (Abb. 1). Weitere Kriterien sind eine weiche Oberflächenstruktur und häufig symptomatische Beschwerden bei süßen oder kalten Speisen. In Deutschland haben Erwachsene (35. bis 44. Lebensjahr) im Durch- schnitt 14,5 Zähne, die kariös oder aufgrund von Karies gefüllt, über- kront oder fehlend sind (28). Bei den Senioren (65. bis 74. Lebensjahr) liegt dieser Wert sogar bei 22,1. Darüber hinaus sind etwa 1 Prozent der Erwachsenen und 23 Prozent der Senioren komplett zahnlos. Suffizienter Zahnersatz kann in den meisten Fällen verhindern, dass Zahnverlust auch zu substanziellen Beeinträchtigungen der Ernäh- rung führt. Bei abnehmbaren Teilprothesen und insbesondere bei Totalprothesen ist darüber hinaus auch eine ausreichende Befeuch- tung der Mundschleimhaut mit Speichel notwendig, der als Schutz vor mechanischen Irritationen durch den Zahnersatz wirkt. Sind die Voraussetzungen nicht erfüllt, bzw. bestehen durch Karies und/oder Parodontitis Beschwerden wie Schmerzen, kann die Ernährung sub- stanziell beeinträchtig sein (32, 35) und die Allgemeingesundheit (z.B. Fortschreiten von Demenz) negativ beeinflussen (5). Demenz Der Anteil von Personen mit Demenz liegt bei jüngeren Senioren (65. bis 74. Lebensjahr) bei 2 bis 3 Prozent, bei über 80-Jährigen schon bei 9 bis 20 Prozent und betrifft etwa die Hälfte der Senioren ab dem 90. D A S T H E M A ©Fotolia–ke907;PoliklinikfürZahnärztlicheProthetik,UKE 12 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 05 | 2016

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