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Hamburger Ärzteblatt 04 2016

1 Regio Klinikum Pinneberg, Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie 2 Universitäres Herzzentrum, Klinik für Gefäßmedizin 3 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie 4 Klinikum Augsburg, II. Medizinische Klinik 5 Institut für Pathologie, UKE 6 Wirbelsäulenchirurgie, UKE 30 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 0 4 | 2 0 1 6 F O R U M M E D I Z I N Grenze des Machbaren Bei einem 61-Jährigen mit wiederkehrenden Rückenschmerzen wird ein Knochentumor im Brustwirbelbereich diagnostiziert. Die Resektion birgt hochgradige Risiken, weil Aortenabschnitte betroffen sind. Dennoch ist die OP die einzige Therapieoption. Von Dr. Amrei Pilger1 , PD Dr. Nikolaos Tsilimparis2 , Prof. Dr. Maximilian Bockhorn3 , Prof. Dr. Martin Trepel4 , Prof. Dr. Jozef Zustin5 , Dr. Marc Dreimann6 Der besondere Fall Ein sportlicher 61-Jähriger in gutem Allgemeinzustand stellt sich im Dezember 2012 bei seinem Hausarzt vor. Er berichtet, seit Jahren an atraumatischen Rückenschmerzen im Bereich der Brustwirbelsäu- le zu leiden, welche in beide Schulterblätter ausstrahlen. Diese wa- ren jahrelang als „trivialer Rückenschmerz“ eingeordnet und frust- ran konservativ behandelt worden. Im Winter 2012 exazerbiert der Schmerz jedoch derart, dass der Patient sich mit der erfolglosen Be- handlung nicht mehr zufriedengibt. Erstmalig wird eine Bildgebung eingeleitet. Im Röntgen des Tho- rax zeigt sich das Mediastinum deutlich verbreitert, daraufhin wird eine Magnetresonanztomografie durchgeführt. Im Januar 2013 wird der Verdacht auf ein Aneurysma der thorakalen Aorta descendens gestellt, daraufhin wird im Februar eine Angiografie durchgeführt. Während der Intervention zeigt sich eine atypische Konfigurati- on der Aorta, es findet sich eine paravertebrale Raumforderung auf Höhe der Brustwirbelkörper Th 7 bis 10. Einige Tage später erfolgt eine CT-gesteuerte Biopsie, zwei spezialisierte pathologische In- stitute untersuchen das Biopsat. Die Diagnose lautet: Osteosarkom. Das Osteosarkom ist der häufigste primäre Knochentumor mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 60 Prozent bei nicht-metastasierten Tu- moren. Nur 0,85 Prozent der Osteosarkome treten an der Wirbelsäule auf. Die niedrige Inzidenz und die anatomische Nähe zu lebenswich- tigen Strukturen stellen besondere Herausforderungen in der Thera- pie des spinalen Osteosarkoms dar. Der Tumor unseres Patienten ist bereits groß, befindet sich paraverteb- ral auf Höhe der Brustwirbelkörper 7 bis 10 und ummauert die entspre- chenden Aortenabschnitte. Periphere Metastasen sind nicht zu finden, sodass die Indikation zur kurativen Therapie besteht. Diese wird analog dem EURO-B.O.S.S.-Protokoll geplant; sie muss Tumorresektion sowie neoadjuvante und adjuvante Chemotherapie umfassen. Komplizierter zweistufiger Eingriff Die Resektion wird interdisziplinär diskutiert und als kompliziert eingestuft, da sie en bloc die drei betroffenen Wirbelkörper und die entsprechenden Aortenabschnitte einschließen muss. Der Eingriff ist riskant (geschätztes Querschnittsrisiko 20 bis 40 Prozent, Letalitäts- risiko 20 bis 30 Prozent), aber als einzige kurative Therapiemöglich- keit mit dem Patienten besprochen. Die geplante Intervention ist in dieser Form weltweit noch nicht durchgeführt worden. Der Patient entscheidet sich schließlich für die Operation. Osteosarkom mit Aorteneinschluss Abb. 1: Tumor präoperativ (CT mit Kontrastmittel, Transversalebene) Abb. 3: Makrosko- pischer Aspekt des En-bloc-Resektats Abb. 2: Röntgen postoperativ. Wirbelkörperersatz und Instrumentation (laterale und anterior-posteriore Ebene) 30 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 04 | 2016

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