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Hamburger Ärzteblatt 04 2016

15 0 4 | 2 0 1 6 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T Bei der Untersuchung des Effekts verschiedener Trainingsformen, waren Kraft- und Ausdauertraining mit einer Absenkung von circa 3 mmHg systolisch ähnlich effektiv; bei beiden Trainingsformen ist eine Häufigkeit von dreimal pro Woche ausreichend (9). Ein statisches Krafttraining der Unterarmmuskulatur in Form ei- nes „handgrip“-training scheint mit einer Senkung von 13,4 mmHg systolisch bzw. 11,0 mmHg diastolisch deutlich effektiver als andere Trainingsformen zu sein (26); allerdings gibt es zu dieser Trainings- form bislang erst relativ wenig Studien. Hyperlipidämie Körperliches Training beeinflusst auch den Risikofaktor Hyperlipid- ämie: Ein drei- bis fünfmal pro Woche durchgeführtes 30-minütiges mittelintensives Training führt zu einer etwa 10-prozentigen Zunah- me des HDL-Cholesterins und einer Abnahme der LDL-Konzentrati- on, ohne dass sich die Gesamtcholesterinkonzentration dabei verän- derte (33). Auch eine erhöhte Triglyzeridkonzentration wird um etwa 20 Prozent gesenkt (15). Herzinsuffizienz Die Herzinsuffizienz als gemeinsame Endstrecke der meisten Herz- erkrankungen (24) ist gekennzeichnet durch eine eingeschränkte Pumpleistung des Herzens mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Belastungseinschränkung. Seit Mitte der 1980er-Jahre ist belegt, dass ein Ausdauertraining auch dieses Krankheitsbild deutlich verbessern kann (14), welches über lange Zeit mit absoluter körperlicher Schonung behandelt worden war. Inzwischen wissen wir, dass dieser Effekt durch Intervallbela- stungen gesteigert werden kann (37). In einer eigenen Studie konnten wir zeigen, dass kurze Krafttrainingsbelastungen einzelner Muskel- gruppen ohne wesentliche Belastung des Herz-Kreislauf-Systems zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik führten (18). Offen- sichtlich können durch ein derartiges Trainingsprogramm Adaptati- onen der peripheren Muskulatur mit entsprechenden positiven Aus- wirkungen erreicht werden, bevor die eingeschränkte Herzfunktion belastungslimitierend wird. Die Effekte einer Bewegungstherapie bei Herzinsuffizienz wurden im Rahmen der HF-ACTION-Studie an mehreren Einrichtungen in den USA, Kanada und Frankreich untersucht. Dabei wurden über 2.000 Patienten randomisiert Kontroll- oder Trainingsgruppen zugeordnet und bis zu vier Jahre begleitet (43). Die Trainingsgruppen führten an- fangs ein betreutes Ausdauertraining von 3-mal 15 bis 30 Minuten pro Woche durch, welches nach 12 Wochen in ein unbetreutes häusliches Training überführt wurde. In der Trainingsgruppe fand sich eine sig- nifikante Reduktion von Krankenhausaufenthalten und kardiovasku- lärer Mortalität bei Steigerung der Lebensqualität. Ähnliche Befunde zeigtenBelardinellietal.2012ineinerLangzeitstudieüber10Jahre(1): Während sich 60 Patienten einer Kontrollgruppe ohne ein angelei- tetes Training kontinuierlich in ihrer Leistungsfähigkeit (VO2max) verschlechterten, blieben die 63 Herzinsuffizienz-Patienten, die über zehn Jahre hinweg zweimal pro Woche ein beaufsichtigtes Ausdauer- training durchführten, auf einem stabilen Level von über 60 Prozent des altersentsprechenden Sollwerts. Das optimale Training von Patienten mit Herzinsuffizienz sollte nach Ermittlung der individuell günstigsten Trainingsintensität – idealer- weise durch eine leistungsdiagnostische Untersuchung – bei etwa 40 bis 50 Prozent der Maximalleistung (VO2max) liegen. Anfangs sind zwei Trainingseinheiten pro Woche von maximal 15 Minuten ausreichend; je nach Symptomen und klinischer Situation kann das Training dann auf 30 bis 45 Minuten pro Einheit und auf Intensitä- ten bis zu 70 Prozent VO2max gesteigert werden (13). Patienten, die mit hoher Intensität trainierten, haben im Vergleich zu solchen mit niedrigeren Trainingsintensitäten eine fast doppelt so hohe Steige- rung der VO2max (23); die Effizienz kann durch ein Intervalltraining verbessert werden. Durch ein zusätzliches Krafttraining können die Effekte weiter gesteigert werden (60). Dementsprechend sollte eine Kombination von Ausdauertraining mit einem Intervall- und auch mit einem Krafttraining durchgeführt werden (13). Bewegung bei Diabetes mellitus Es ist unstrittig, dass die Entstehung eines Typ-2-Diabetes (T2DM) als Teil des metabolischen Syndroms in hohem Maße durch Adiposi- tas und Bewegungsmangel begünstigt wird (27). Die Steigerung der körperlichen Aktivität wird daher in der aktuellen nationalen Ver- sorgungsleitlinie als essenzieller Teil der Basistherapie empfohlen (5). Übersichtsarbeiten belegen mittlerweile konsistent, dass Bewegung den HbA1c-Wert von Patienten mit Diabetes um bis zu 1 Prozent reduziert (44, 65, 68, 69). Die Wirksamkeit dieses „natürlichen Medi- kaments“ ähnelt somit durchaus den Effektgrößen durch langfristige Medikamenten- bzw. Insulineinnahme, wodurch eine Senkung des HbA1c von circa 0,6 bis 0,8 Prozent erreicht werden kann (19). Zwei Meta-Analysen aus 2014 untersuchten den Einfluss der Trainings- form (Ausdauer-, Krafttraining und die Kombination dieser beiden) auf den HbA1c-Wert: demnach senkt Ausdauertraining den HbA1c um 0,2 Prozent geringfügig mehr als ein alleiniges Krafttraining; eine Kombination beider Trainingsformen scheint allerdings noch effekti- ver zu sein als ein reines Ausdauertraining (59, 72). Da die Wirkung von Bewegung auf die Glukoseaufnahme circa 72 Stunden anhält (7), sollte ein Training an mindestens drei Tagen die Woche, besser an der Mehrzahl der Wochentage durchgeführt wer- den. Beim Training sollte für einen signifikanten Effekt eine Intensität Regelmäßige körperliche Aktivität reguliert die Cholesterinkonzentration im Blut Wer gesundheitliche Effekte erzielen will, sollte drei- bis fünfmal die Woche trainieren © Fotolia – PeoGeo, digital-fineart, mdennah, Bobo, twystydigi, Halfpoint 04 | 2016 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T

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