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Hamburger Ärzteblatt 04 2016

13 0 4 | 2 0 1 6 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T Co-Therapeutikum Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert die Häufigkeit von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels und hilft, Osteoporose zu vermeiden. Bewegung senkt die Zahl von Krebserkrankungen und die der Menschen mit Demenz oder Alzheimer. Auch therapeutische Effekte sind bei Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung und Herzinsuffizienz, Stoffwechsel- erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Hypercholesterinämie mit höchster Evidenz belegt. Von Bijan Ghaffari, Univ. Prof. Dr. Klaus-Michael Braumann Bewegung als Prävention und Therapie in der Medizin © Fotolia – PeoGeo, digital-fineart Über Jahrtausende machten zu viel Bewegung und zu wenig Nahrung krank. Körperliche Schonung und gute reichhaltige Ernährung waren deshalb Therapieoptionen der ersten Wahl bei nahezu allen Krank- heiten. Heute sind in der modernen industriellen Welt eine hyperka- lorische Nahrung sowie Bewegungsmangel wesentliche Ursache für die meisten der sogenannten „Zivilisationskrankheiten“. Als Folge unserer modernen Lebensweise fehlen die minimalen Belastungsrei- ze, die zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen benötigt werden (57), vielfältige Funktionsstörungen des Organismus sind program- miert. Der Beginn dieser Entwicklung zeigte sich ab Mitte der 1950er-Jahre, als erfolgreiche Wirtschaftskapitäne an der „Managerkrankheit“ ver- starben. Inzwischen wissen wir, dass es sich dabei um den Beginn einer epidemieartigen Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehandelt hat, die ihr Maximum Ende des letzten Jahrtausends er- reichte: Heute erleiden in Deutschland jährlich circa 270.000 Men- schen einen Herzinfarkt, der bei knapp 60.000 tödlich endet. Präventive Effekte von Bewegung Schon in den 1950er-Jahren konnte in ersten epidemiologischen Stu- dien gezeigt werden, dass die Häufigkeit von kardialen Ereignissen signifikant mit dem Ausmaß der körperlichen Aktivität im Berufsle- ben in Zusammenhang stand. In der klassischen „London Bus Driver Study“ (21) fanden sich bei den überwiegend sitzenden Busfahrern signifikant höhere Raten von kardialen Ereignissen als bei den Bus- schaffnern, die in den typischen Doppeldeckerbussen permanent zum Kontrollieren der Fahrkarten unterwegs waren. Ähnliche Hin- weise auf die Bedeutung körperlicher Aktivität wurden in den folgen- den Jahren für Hafenarbeiter in San Francisco (46) und Eisenbahnar- beiter in Italien beschrieben (36). Aber auch das Bewegungsverhalten in der Freizeit beeinflusst die Inzidenz kardialer Ereignisse in hohem Maße (39). Paffenbarger konnte in einer Studie an 16.000 Harvard- Absolventen zeigen, dass eine Steigerung des Energieumsatzes durch körperliche Aktivität um circa 2.000 kcal pro Woche das Risiko für koronare Herzerkrankungen um circa 60 Prozent reduziert (47). Heute ist es Lehrbuchwissen und in zahlreichen Kohortenstudien im- mer wieder belegt, dass Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, ein im Vergleich zu Inaktiven um 50 Prozent reduziertes Risiko haben, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln (40, 51). Präventive Effekte von regelmäßiger Bewegung sind mittlerweile auch für andere chronische Erkrankungen gut belegt. So zeigten Orozco et al. (45) in einem Cochrane-Review, dass angeleitete strukturierte regelmäßige Bewegung das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, im Vergleich zu den üblichen Empfehlungen zur Lebensstilmodifi- Abb. 1: Low grade chronic inflammation diseases vermittelt durch inflamma- torische Interleukine (u.a. TNF alpha) (Petersen und Pedersen 2006) Brustkrebs Typ-2-Diabetes Osteoporose Darmkrebs Brustkrebs kardiovaskuläre Erkrankungen Abb 2: Reduktion der Mortalität durch tägliche Bewegung in Abhän- gigkeit von Belastungsintensität und -dauer (Wen et al. 2011) 04 | 2016 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T

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