Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Hamburger Ärzteblatt 11 2014

20 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 1 1 | 2 0 1 4 D A S T H E M AD A S T H E M A Konsequenzen Beim Umgang mit misshandelten Kindern haben Behörden und Ämter erhebliche Defizite gezeigt. Doch die nun geplanten Änderungen des Senats reichen nicht aus. Von Helmut Eidenmüller Herausforderungen der Jugendhilfe Für die Hamburger Jugendpolitik war es der Supergau, als ein Ab- teilungsleiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) im Parla- mentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zum Tod der kleinen Yagmur bilanziert: „Unser ASD ist nicht arbeitsfähig – wir brauchen eine radikale Wende.“ Deutlicher konnte die begrenzte Handlungsfähigkeit einer Dienst- stelle im Jugendamt, die öffentlich-rechtlich für die Sicherheit des Kindeswohles verantwortlich zeichnet, nicht beschrieben werden. Nach den Todesfällen von Jessica, Lara-Mia und Chantal in Ham- burg zeigt eine aufwendige Untersuchung der Universität Koblenz von 2012 ein differenziertes, aber auch düsteres Bild vom „Lagebild der Organisationsstrukturen und -kulturen der Allgemeinen Sozialen Dienste der Kinder- und Jugendhilfe in den Bezirksämtern der Freien und Hansestadt Hamburg“ und gibt Handlungsempfehlungen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis: „Eine positive Wende für den ASD in Hamburg ist dringend nötig und durchaus möglich, man muss nur anfangen.“ Diese Wende sollte mit kurzfristigen Sofortprogrammen (Hand- reichungen, Verwaltungsvorschriften) sowie einem Computerpro- gramm „JUS-IT“ erreicht werden. „JUS-IT“ gibt dem Sozialarbeiter insbesondere beim Kinderschutz bindende Arbeitswege vor und ver- pflichtet ihn, alle Ergebnisse der Kinderschutzdiagnostik zu doku- mentieren. Die in der Studie für möglich gehaltene „positive Wende“ im ASD hat sich nicht eingestellt, wie Erkenntnisse der Jugendhilfe- inspektion und die aus dem PUA bekannt gewordenen Einzelheiten über die Arbeitswirklichkeit im ASD offenbaren. So ist es konsequent, wenn der zuständige Staatsrat der Behörde für Arbeit, Soziales, Fami- lie und Verbraucherschutz (BASFI) im Zeugenstand des PUA am 15. September 2014 auf die Frage, wer die politische Verantwortung für den Tod von Yagmur trägt, bekennt: „Die politische Verantwortung für das Gesamtsystem trägt die Leitung der Behörde.“ Die Pläne des Hamburger Senats Nun aber, aufgeschreckt von der öffentlichen Kritik über das jahre- lange Aussitzen einer überfälligen Struktur- und Konzeptionsreform in der Jugendhilfe, startet der Senat durch und legt umfangreiche Maßnahmen mit dem Ziel vor, den Kinderschutz in Hamburg zu verbessern. Die Handlungspraxis innerhalb der Bereiche, Jugend- amt, Kita/Krippe, Gesundheit, Justiz, Polizei und mit dem Kin- derkompetenzzentrum des Instituts für Rechtsmedizin sowie ihre Kooperation untereinander sollen verbessert werden. Dies ist zu be- grüßen; ebenso der Appell an die Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte, Jugendämter zu informieren, wenn sie in ihrer Praxis mög- liche Frühsymptome von Vernachlässigung oder Misshandlung bei Kindern wie starkes Unter- oder Übergewicht, gehäufte Unfälle oder exzessives Säuglingsschreien bemerken. Endlich tut sich was, wird man verleitet zu glauben. Insofern lohnt es sich, einige Maßnahmen, die der Senat plant, in ihrer Zielrichtung und Effizienz kritisch zu prüfen. 1. Skepsis kommt auf, denn angeblich sollen die angestrebten Re- formmaßnahmen keine Auswirkungen auf Haushalt, Vermögenslage oder sonstige finanzielle Belastungen haben. Ist das realistisch? Der ASD leidet nach wie vor an Arbeitsüberlastung, ausreichend ausge- bildetes Personal fehlt, und Mitarbeiter im ASD klagen über eine mangelhafte Struktur im Zusammenhang mit einer fachgerechten Sicherstellung des Kinderschutzes. Dem soll nunmehr in einem ersten Anlauf und vor Einführung eines Personalbemessungssystems mit einer deutlichen – teilweise tempo- rären – Personalverstärkung in den Abteilungen des ASD begegnet werden. Für diese Personalverstärkungen sollen insgesamt circa 3,3 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Dies ist sicherlich ein richtiger Schritt. Offen bleibt allerdings die Frage, inwieweit die benannten Vernet- zungspläne Auswirkungen auf personelle und fachliche Ressour- ©DieWelt,HamburgerAbendblatt 20 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 11 | 2014

Seitenübersicht