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Hamburger Ärzteblatt 11 2014

191 1 | 2 0 1 4 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T Genug getan? Schreckliche Fälle von Kindesmisshandlung haben mich immer wie- der erschreckt und empört. Ich war aber auch stets erleichtert, dass so etwas nicht in meinem Praxisumfeld geschehen ist. Und doch muss ich an zwei Fälle denken, die ich persönlich erlebt habe: Es war morgens gegen 5.30 Uhr, und ich hatte eine lange Nacht im ärztlichen Notdienst. Die Wohnung des Patienten befand sich in ei- ner Hochhaussiedlung. Ich wurde in ein Zimmer geführt, in dem sich circa 15 Personen aufhielten. Man konnte wegen starken Zigaretten- qualms kaum die Hand vor Augen sehen, der Geräuschpegel war im- mens. Der Patient war ein Jahr alt, hatte 39 Grad Fieber und hustete stark. Keiner – außer der Mutter – nahm ernsthaft Notiz von dem erkrankten Kind. Sein Zustand sollte seit zwei Tagen bestehen. Ich bat darum, die Untersuchung in einem anderen Raum durchführen zu können. Missbilligend wurde ich mit dem Kind ins Bad der Wohnung beordert. Es bestanden keine Zeichen der Exsikkose, und es gab kei- nen Anhalt für eine Lungenentzündung. Nach medikamentöser Ver- ordnung bat ich die Mutter, das Kind in einem anderen Raum unter- zubringen und unbedingt am Morgen die Kinderärztin aufzusuchen. Immer wieder stelle ich mir die Frage, was aus dem Kind gewor- den ist. Sicherlich würde ich heute in einer vergleichbaren Situa- tion das Kind in eine Klinik bringen und dafür sorgen, dass eine staatliche Stelle nach dem Kind und seinen Lebensumständen schaut. Seinerzeit war ich nur froh, dass es kein „komplizierter Fall“ und der Nachtdienst bald vorüber war. Eine 14-jährige Patientin saß weinend vor mir und wusste nicht mehr weiter. Ihr Vater hätte sie seit ihrem siebten Lebensjahr se- xuell missbraucht, die Mutter wüsste davon. Problematisch für mich war der Umstand, dass ich die Eltern seit vielen Jahren kannte und erschrocken war, dass so etwas Ungeheuerliches in der Familie geschehen sein könnte. Durch Zufall kannte ich eine Beratungsstelle, die sich derart misshandelter Kinder annimmt und konnte die Patientin dorthin vermitteln. Sicher bin ich heute durch die langjährige ärztliche Praxis erfahre- ner und hinterfrage mehr und anders, aber was mir damals fehlte und auch heute noch fehlt, ist eine Grundausbildung im Studium sowie geeignete Fortbildungsangebote zum Thema Kindeswohl- gefährdung. Die zentrale Anlaufstelle im UKE, die Ratschläge geben kann, wie ich mich in Verdachtsmomenten zu verhalten habe und somit für eine schnelle unbürokratische medizinische, juristische und soziale Hilfe für die jungen Patienten sorgt, kann helfen. Dr. Mathias Petersen Facharzt für Allgemeinmedizin E-Mail: buero.petersen@googlemail.com Habe ich genug getan?, fragt sich der Hamburger Hausarzt Dr. Mathias Petersen. Zwei Fälle, die eine mögliche Vernachlässigung beziehungsweise Missbrauch offenbarten, beschäftigen ihn noch heute. Zum Herausnehmen: Auf der Rückseite finden Sie Adressen von weiteren Ansprechpartnern Kinder-Kompetenzzentrum (KINDER-KOMPT) am Institut für Rechtsmedizin / UKE für die Untersuchung von Kindern am UKE beim Verdacht auf Vernachlässigung, Kindes- misshandlung und sexuellen Missbrauch, Koordinatorin: PD Dr. Dragana SeifertTel. 7410 531 32/ -521 27, mobil: 0172-426 80 90 (auch nachts und am Wochenende), E-Mail: d.seifert@uke.de Kostenlose gerichtsmedizinische Untersuchung, Beweismit- telsicherung und -dokumentation, keine Anzeigepflicht. Ärzte können sich kollegialen Rat einholen – auch ohne Nennung des Patientennamens. Für eine gerichtsmedizinische Untersuchung bedarf es der Zustimmung der Eltern – gegen ihren Willen nur über einen familiengerichtlichen Beschluss oder über eine Inob- hutnahme des Jugendamtes. FachlicheBeratungzumSchutzvonKindernundJugendlichen erhaltenSiebeidenKinderschutzkoordinatorenderBezirke: Hamburg-Mitte: Torsten Dobbeck, Tel. 42854-3540, Renate Jahn, 42854-3538, E-Mail: Torsten.Dobbeck@hamburg-mitte.hamburg. de, Renate.Jahn@hamburg-mitte. hamburg.de Altona: Anne Fleer,Tel. 42811-1406, Agnes Mali,Tel. 42811-3390, E-Mail:Anne.Fleer@altona.hamburg.de,Agnes.Mali@altona.hamburg.de Eimsbüttel: Uta Becker, Tel. 42801-2741, E-Mail: Uta.Becker@eimsbuettel.hamburg.de Hamburg-Nord: Roland Schmitz, Tel. 42804-2132, E-Mail: Roland.Schmitz@hamburg-nord.hamburg.de Wandsbek: Gabriele Fuhrmann, Tel. 428 81-3256, E-Mail: Gabriele.Fuhrmann@wandsbek.hamburg.de Harburg: Maike Kampf, Tel. 428 71-2009, E-Mail: Maike.Kampf@harburg.hamburg.de Bergedorf: Christine Busch, Tel. 428 91-2869, E-Mail: Christine.Busch@bergedorf.hamburg.de FachlicheBeratungbeidenKinderschutzzentren: Kinderschutzzentrum Hamburg, Emilienstraße 78, 20259 Hamburg, Tel. 491 00 07, E-Mail: kinderschutz-zentrum@hamburg.de Kinderschutzzentrum Harburg, Eißendorfer Pferdeweg 40a, 21075 Hamburg-Harburg, Tel. 790 10 4 0, E-Mail: kinderschutzzentrum-harburg@hamburg.de Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche in akuten Not- und dringenden Gefahrenlagen: Kinder- und Jugendnotdienst (KJND) – Tag und Nacht Feuerbergstraße 43, 22337 Hamburg, Tel. 42 84 90, E-Mail: KJND-Online@leb.hamburg.de Bei akutem Handlungsbedarf wegen des Verdachts auf Kindeswohl- gefährdung erreichen Sie die Jugendämter der Bezirke Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 , freitags von 8 bis 14 Uhr, Telefon: 115. Über den Hamburg Service erfahren Sie die Kontaktdaten des in Ihrem Fall zuständigen Jugendamtes. Im Internet finden Sie es über www.hamburg.de/behoerdenfinder/ Weitere Infos zu Angeboten der Jugendhilfe und der Kinder- und Jugendgesundheitsdienste: www.hamburg.de/bezirke Wer hilft bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung? 1911 | 2014 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T Koordinatorin: PD Dr. Dragana SeifertTel. 741053132/ -52127, mobil: 0172-4268090 (auch nachts und am Wochenende), Wandsbek: Gabriele Fuhrmann, Tel. 42881-3256, Harburg: Maike Kampf, Tel. 42871-2009, Bergedorf: Christine Busch, Tel. 42891-2869, Tel. 4910007, E-Mail: kinderschutz-zentrum@hamburg.de 21075 Hamburg-Harburg, Tel. 7901040, Feuerbergstraße 43, 22337 Hamburg, Tel. 428490,

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