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Hamburger Ärzteblatt 08 2014

1 I H R E D I A G N O S E ? Lösung: Seite 39 Anamnese: Eine 61-jährige Patientin wird am Abend wegen rezidivierender Oberbauchschmerzen und erhöhter Leberwerte in die Notaufnahme geschickt. Ein Gallensteinleiden ist bis dato unbekannt. In der ersten Sonografie wird eine Cholecystolithiasis ohne Zeichen einer Cho- lecystitis nachgewiesen. Die intrahepatischen Gallenwege sind nicht dilatiert (beides nicht abgebildet). Der Ductus hepatocoledochus (DHC) ist langstreckig darstellbar (mit einer Weite von 4 bis 6 Millimeter normalkalibrig) und primär ohne Konkrementnachweis. In der Kontrolle am nächsten Morgen weiterhin keine Zeichen für eine Cholecystitis jedoch folgende Befunde: (Dr. Christa Schmidt, Prof. Dr. Guntram Lock, 2. Medizinische Klinik, Albertinen-Krankenhaus) 21 330 8 | 2 0 1 4 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T sammenfassend muss man aber einer HIV-positiven Frau keines- wegs strikt von einer Schwangerschaft abraten. Ein weiteres Problem erwächst aus der Tatsache, dass bei Zuhilfe- nahme von Techniken extrakorporaler Befruchtung die Mehrlings- rate der erzielten Schwangerschaften nicht unerheblich ist. Im Jahr 2009 waren von 8.351 Geburten bei IVF/ICSI-Behandlungen 1.703 Geburten von Mehrlingen zu verzeichnen. Das entspricht einer Quote von 20,4 Prozent. Auf geborene Kinder bezogen betrug die Quote sogar 34,3 Prozent (Deutsches IVF-Register DIR 2010). Mehrlingsschwangerschaften wiederum sind mit den typischen ge- burtshilflichen Risikofaktoren wie vorzeitiger Wehentätigkeit und Frühgeburtlichkeit verbunden, die bei einer HIV-positiven Patientin das kindliche Infektionsrisiko erhöhen würden (Marina 1998b, Albert 2001). Ein Single-Embryo-Transfer kann dieses Problem vermeiden. Die Schwangerschaft einer HIV-infizierten Frau sollte in jedem Fall entsprechend den Deutsch-Österreichischen Empfehlungen zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neu- geborenen betreut werden (Buchholz 2006, Schäfer 1999b). HIV-Infektion der Frau und des Mannes Vor der Novellierung der Gemeinsamen Empfehlungen der Deut- schen AIDS-Gesellschaft war eine reproduktionsmedizinische Thera- pie nicht empfohlen worden. Nun wird eine Einzelfall-Entscheidung propagiert. Aus unserer Erfahrung heraus ist dies – gerade im Hin- blick auf die neue Festlegung des Gemeinsamen Bundesausschus- ses zur Finanzierung – eine sinnvolle Strategie, bei der jedoch ein Schwerpunktzentrum mit reproduktionsmedizinischen, internisti- schen und psychologischen bzw. psychosomatischen Behandlungs- möglichkeiten konsultiert werden sollte. Hepatitis und Kinderwunsch Bei der Hepatitis-Infektion ist besonders bei der Hepatitis-C-Er- krankung die Viruslast und eventuell bestehende Koinfektionen von Bedeutung (Leruez-Ville 2000). Es sollten auch hier strenge Sicher- heitskriterien der entsprechenden Empfehlungen beachtet werden, die eine horizontale und vertikale Transmission verhindern können (Kupka 2008a, Weigel 2004). Prinzipiell ist hier ein ähnliches Vor- gehen wie bei der HIV-Infektion möglich. Idealerweise sollten Ejakulatproben oder befruchtete Eizellen von Hepatits-C- und Hepatits-B-Patienten in getrennten Kryobehältern aufbewahrt werden (Abb. 2.). Um das potenzielle Risiko einer Kontamination bei kryokonservier- ten Ejakulatproben oder befruchteten Eizellen zu reduzieren, sollte die Lagerung in dampfförmigem und nicht in flüssigem Stickstoff erfolgen. Die Ejakulatproben sollten zuvor aufbereitet werden, um die Viruslast zu reduzieren. Es sollen dabei Kryo-Behälter verwen- det werden, die doppelt verschlossen sind. Neugeborene von Müttern, die HBsAg-positiv sind, sollten Hepati- tis-B-Immunglobuline (HBIG) und die Hepatitis-B-Impfung inner- halb von zwölf Stunden nach der Geburt erhalten. Stillen ist nach einer Immunprophylaxe nicht kontraindiziert. Frauen, die HCV-positiv sind, sollen über das Risiko einer Trans- mission auf den Feten aufgeklärt werden, besonders bei hoher Vi- ruslast und gleichzeitiger HIV-Infektion. Hepatits-C-Patienten sollten gegen HAV und HBV geimpft werden. Partner von HBsAg-positiven Patienten sollten gegen HBV geimpft werden. Liegt eine konkordante Situation bezüglich Hepatitis B vor, ist dennoch in Kooperation mit einer hepatologischen Schwer- punkt-Einrichtung zu diskutieren, ob bei unterschiedlichen Virus- Stämmen eine Impfung erforderlich sein könnte. Literatur beim Verfasser. Prof. Dr. Markus S. Kupka Kinderwunschzentrum Altonaer Straße im Gynaekologicum Hamburg Medizinisches Versorgungszentrum GbR E-Mail: markus.kupka@ivf-hamburg.de

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