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Hamburger Ärzteblatt 08 2014 - Forum Medizin

©Fotolia–koya979 HIV und Hepatitis in der Reproduktionsmedizin Künstliche Befruchtung Verantwortungsvolle Therapieangebote machen es möglich, dass auch Paaren mit einer Infektionskrankheit der Kinderwunsch mit minimiertem Risiko erfüllt werden kann. Von Prof. Dr. Markus S. Kupka 30 H A M B U R G E R Ä R Z T E B L A T T 0 8 | 2 0 1 4 F O R U M M E D I Z I N das Personal, die „verarbeiteten“ Zellen einschließlich Kulturmedien und durch technische Geräte. Wenn Keimzellen außerhalb des Körpers „verarbeitet“ werden, gilt es, sorgfältig vorzugehen, um mögliche Infektionen abzuwenden. Im Falle bekannter Infektionsproblematik im Sinne einer serodiskordan- ten Situation ist die Vermeidung einer horizontalen Infektion und generell die Vermeidung einer vertikalen Infektion von Bedeutung. Bei der intrauterinen Insemination (INS), der In-vitro-Fertilisation mit Embryotransfer (IVF), dem Zusatzverfahren der intrazytoplas- matischen Spermieninjektion (ICSI) und verwandten Verfahren, wie dem partiellen Ausdünnen der äußeren Eizellhülle („assisted hatching“: erleichtertes Schlüpfen) oder der „intracytoplasmic mor- phologycally selected sperm injection“ (IMSI) muss im Idealfall nach standardisierten Verfahrensabläufen (SOP, standard operation pro- cedures) eine Minimierung des Infektionsrisikos angestrebt werden (Kupka 2007b). Daneben können Empfehlungen und Richtlinien zur Vermeidung bzw. Behandlung einer Infektion hilfreich sein. Indikation zur Infektionsdiagnostik: • zwingend vorgeschriebene Infektionsdiagnostik bei Durch- führung einer reproduktionsmedizinischen Behandlung im homologen System • eine sinnvolle Infektionsdiagnostik aus allgemein protektiver Intention – auch über das Behandlungsende hinaus • empfohlene Infektionsdiagnostik bei Durchführung einer re- produktionsmedizinischen Behandlung im donogenen Sys- tem (heterolog, Samenspender) HIV-Infektion und Kinderwunsch Vor Beginn einer reproduktionsmedizinischen Behandlung sind einige Punkte auf bürokratischer Ebene in Bezug auf eine poten- DieBehandlungvonKinderwunschpaarenmiteiner Infektionskrank- heit stellt heute keine Seltenheit mehr dar. Dennoch gilt es, sorgfältig zu unterscheiden, welche Infektion mit welchem Übertragungsrisiko vorliegt. In Deutschland sind nicht alle Therapieoptionen vorhanden. Dennoch kann Paaren bei vorliegender Hepatitis oder HIV-Infektion geholfen werden, wenn bestimmte Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden. Dies sollte spezialisierten Zentren vorbehalten sein, die die Auflagen des aktuellen Gewebegesetzes erfüllen. Seitdem der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 16. Septem- ber 2010 entschieden hat, auch HIV-diskordanten und -konkordan- ten Ehepaaren den Zugang zu Maßnahmen der assistierten Repro- duktion zu ermöglichen, ist deutlich geworden, dass auch in diesem Bereich Inklusion im weitesten Sinne stattfindet (private Krankenver- sicherungen handeln hier in der Regel analog). So wie inzwischen im Bereich der Geburtsmedizin unter bestimmten Bedingungen ein geplanter Spontanpartus verantwortbar ist, so wird bei der assistierten Reproduktion ebenfalls eine gewisse Liberalisie- rung der Vorgehensweise deutlich. Ablesbar ist dies beim Vergleich der gemeinsamen Erklärung mehrerer deutschsprachiger, medizini- scher Fachgesellschaften von 2001 (Weigel 2001b) und 2008 (Tand- ler-Schneider 2008). Infektionsrisiko Infektionen können im Bereich der assistierten Reproduktionstech- niken (ART) bei der Indikationsstellung, der Bewertung der Erfolgs- chance, der Durchführung der eigentlichen Behandlung und bei einer folgenden Schwangerschaft eine wesentliche Rolle spielen (Mi- chelmann 1998, Spike 2003, Weigel 2001a). Dabei sind Infektionen bei der Ursachenentstehung der ungewollten Kinderlosigkeit als Be- gleiterkrankung oder als Risikopotenzial unmittelbar während und nach einer solchen Behandlung zu werten (Keck 2004, Kupka 2007a). Ein Infektionsrisiko ist möglich durch: die Patientin, deren Partner,

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