Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Hamburger Ärzteblatt 05 2014

26 h a m b u r g e r Ä r z t e b l a t t 0 5 | 2 0 1 4 g e s u N D h e i t s P O l i t i K Seit der Morbiditätsatlas von der Behörde für Gesundheit und Ver- braucherschutz veröffentlicht wurde, sind Forderungen nach einer kleinräumigeren Bedarfsplanung für Hamburg laut geworden. Po- litik und Medien kritisieren die Verteilung der Ärzte in Hamburg, die sich angeblich absichtlich in den Stadtteilen niederlassen, in de- nen besonders viele Privatpatienten anzutreffen sind, und weniger verheißungsvolle Gebiete meiden. Auf Bezirksversammlungen in Altona, Bergedorf und Harburg sind Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KVH) zum Teil massiv attackiert und mit dem Vor- wurf konfrontiert worden, nicht für eine angemessene Verteilung von Ärzten auf die einzelnen Stadtteile zu sorgen. Diese Debatte ist emotional aufgeheizt. Hier wird eine ambulante Versorgung, um die uns andere Bundesländer beneiden, in einer Art hysterischer Überreaktion zum Anlass massiver Kritik, ja zu ei- nem Problem stilisiert. Gibt es einen versorgungstechnischen Not- stand in Hamburg? Um mit diesem Gerücht aufzuräumen, hatte die KVH am 19. März zu einem Presse-Hintergrundgespräch geladen – und die Medienpräsenz war enorm. Es galt, auf Grundlage der tatsächlichen Versorgungszahlen ein realistisches Bild der ambu- lanten Verteilung zu geben und der gefühlten Unterversorgung in einigen Regionen die Rahmenbedingungen der Bedarfsplanung, die Möglichkeiten der Steuerung durch die KVH und die tatsächliche Versorgungslage entgegenzuhalten. Versorgungsrealität lässt sich nicht mit hilfe willkürlicher stadtteilgrenzen planen – oder abbilden Hamburg ist ein Planungsgebiet – das ist keine Entscheidung der KVH oder der ärztlichen Selbstverwaltung in Hamburg, sondern des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem diese Pla- nungshoheit vom Gesetzgeber übertragen wurde. Im Gegensatz zu Flächenländern, die innerhalb unterschiedlich großer Planungs- bereiche planen, können sich Ärzte aller Fachrichtungen, die eine Zulassung haben, dort niederlassen, wo sie es wollen. Dies hat im Laufe der Jahrzehnte zu der hervorragenden Versorgungsstruktur in Hamburg geführt, die wir heute vorfinden. Und im Hinblick auf diesen einen Planungsbezirk, den Hamburg darstellt, liegt der Ver- sorgungsgrad aller Fachgruppen bei über 110 Prozent, was Ham- burg zur Medizinmetropole mit hochspezialisierten Ärzten und insgesamt zur ambulant am besten versorgten Region im gesamten Bundesgebiet macht. Nun handelt es sich um ein rein logisches, ja mathematisches Phä- nomen, dass – je kleinräumiger man eine Versorgungssituation be- trachtet – desto größer der Grad einer vermeintlichen Unter- oder Überversorgung wird. Eine solche Perspektivenverschiebung ent- behrt jedoch der Realität, da selbst in einer Medizinmetropole wie Hamburg, die in allen Fachgruppen überversorgt ist, signifikante Defizite konstruiert werden können. Die Betrachtung der Planung und die Betrachtung der Realität müssen kongruent sein, sonst wer- den die Ergebnisse schief. Wenn innerhalb eines großen Planungs- gebietes geplant wird, dann ist die Prüfung eines streng umgrenzten Teiles innerhalb dessen zwar legitim, es dürfen aus ihm aber we- der Konsequenzen für das gesamte Planungsgebiet gezogen noch die benachbarten Teilregionen unberücksichtigt gelassen werden, wenn das zu ermittelnde Bild einigermaßen der Realität entspre- chen soll. Außerdem müssen Patientenwege miteinbezogen werden, um festzustellen, wo genau Menschen eigentlich Ärzte aufsuchen. Eine Schlussfolgerung hieraus ist, dass eine generell kleinräumigere Planung mit Sicherheit zu einer Verschlechterung der Versorgungs- situation führen würde, da die Anzahl der Ärzte erhöht werden müsste (was für viele der wirtschaftliche Ruin wäre) und die Vertei- lung sich nicht mehr an den natürlichen Lebensgewohnheiten der Hamburger Patienten orientierte. eine kleinräumige bedarfsplanung geht an der Versorgungsrealität in hamburg vorbei Es ist auch in diesem Fall falsch, mit Kanonen auf Spatzen zu schie- ßen. Natürlich ist es legitim, sich mit der Versorgung auf Bezirks- und Stadtteilebene auseinanderzusetzen, Tendenzen zu erkennen, bei Versorgungsengpässen nachzubessern mit den Möglichkeiten, welche der KVH zur Verfügung stehen. Dies stellt aber nicht den Status Hamburgs als einen Planungsbezirk infrage. Im Gegenteil: Eine stadtteilbezogene Grenzziehung stellt sich als kontraproduktiv Absurder Disput Hamburg ist medizinisch hervorragend versorgt. Dennoch fordern einige Politiker und Medien eine kleinräumigere Bedarfsplanung, um einer angeblichen ambulanten Unterversorgung in einzelnen Stadtteilen entgegenzuwirken. Ein solches Vorgehen jedoch hätte tatsächlich verheerende Auswirkungen. Von Dr. Stephan Hofmeister Das Märchen von der Unterversorgung

Seitenübersicht